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Der Falko-Götz-Faktor in Aue

Der Trainer spricht über große Chancen beim FC Erzgebirge und Fehler ehemaliger DDR-Vereine

  • Lesedauer: 4 Min.
Falko Götz kam am drittletzten Spieltag der Vorsaison zum FC Erzgebirge und schaffte am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Für den 52-Jährigen ist Aue die erste Trainerstation seit vier Jahren in Deutschland. Zuletzt hatte er als Nationaltrainer in Vietnam gearbeitet, davor unter anderem bei Hertha BSC und dem TSV 1860 München. Mit Alexander Ludewig sprach er über seine Rückkehr und die Ziele mit dem FC Erzgebirge.

nd: Zum Auftakt gab es drei Punkte in Ingolstadt. Ist dieser Sieg bei einem starken Gegner ein Fingerzeig auf die Saison beim FC Erzgebirge Aue?
Götz: Das ist nach dem ersten Spieltag schwierig zu sagen. Aber es ist zweifellos ein schöner Anfang. Denn wir wollen uns verbessern und weiterentwickeln. Und schon heute gegen Sandhausen haben wir die Gelegenheit zu zeigen, dass das eben nicht nur eine Eintagsfliege war.

In der vergangenen Saison sind Sie drei Spieltage vor dem Ende nach Aue gekommen und haben am letzten Spieltag den Abstieg verhindert. Welche Einflussmöglichkeiten hat ein Trainer in solch einer Situation?
Ganz, ganz wenige. Jeder Trainer hat seine ganz eigene Philosophie. In der Kürze der Zeit waren größere Veränderungen unmöglich. Die hätten die Mannschaft auch nur konfus gemacht. Tatsache ist, es war eine sehr, sehr knappe Geschichte am letzten Spieltag. Und wir sind immer noch froh, dass das überhaupt geklappt hat.

Nun hatten Sie in der Saisonvorbereitung etwas mehr Zeit mit Ihrer Mannschaft und haben sicherlich einiges verändert. Worauf haben Sie besonderen Wert gelegt?
Die Ausgangssituation ist einfach: Bei welchem Verein arbeitet man, also wofür steht der FC Erzgebirge Aue? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Gegner hier in Aue, wenn sie aggressiv und mit Leidenschaft bekämpft wurden, es immer ziemlich schwer hatten. Das sind die Grundanforderungen, die ich stelle. Aber ich möchte natürlich auch, dass wir nicht nur reagieren, sondern auch versuchen, selber Fußball zu spielen und so Chancen kreieren und Tore machen. Das ist es, was ich erreichen will. Die Mannschaft hat hart gearbeitet und sich jetzt in Ingolstadt schon mal belohnt.

Der finanzielle Spielraum für einen Trainer in Aue ist bekanntlich nicht besonders groß. Wie gehen Sie damit um?
Ich wusste vorher schon, dass Aue wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet ist. Einfach weil der Verein sagt, dass ein positiver Wirtschaftsplan für die nachhaltige Entwicklung besser ist. Viel besser, als sich zu verschulden, dann abzutauchen und nie wieder zurückzukommen. Vielen ehemaligen DDR-Vereinen ist es so ergangen, und diesen Weg will man in Aue nicht gehen. Auf der anderen Seite ist es auch eine große Chance, dadurch effektiver in anderen Bereichen arbeiten zu müssen. Wir müssen unser Scouting optimieren. Wir müssen junge, talentierte Spieler bekommen, sie weiterentwickeln und dann auch mal versuchen, diese für eine höhere Ablösesumme zu verkaufen. So kann sich auch ein Verein im Gesamten weiterentwickeln, was die Infrastruktur und natürlich auch Leistungsstärke der Mannschaft betrifft. So müssen und wollen wir im Endeffekt die 2. Bundesliga in Aue auf längere Sicht sichern.

Sie sind in Rodewisch, knapp 30 Kilometer von Aue entfernt, geboren. Hatten Sie überhaupt Eingewöhnungsprobleme?
Nein, überhaupt nicht. Ich kenne die Ecke sehr gut und war als Kind sehr oft bei meinen Großeltern, die ihr Leben lang hier gewohnt haben.

Spüren Sie in puncto Interesse einen Falko-Götz-Faktor im Erzgebirge?
Die Menschen hier sind schon immer sehr, sehr fußballbegeistert. Und da ich ja nicht nur als Trainer eine Karriere habe, sondern auch als Spieler, sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik, und somit seit 30 Jahren im Profifußball eigentlich immer in vorderster Linie tätig bin, muss ich ganz ehrlich sagen, gibt es natürlich eine gewisse Erwartung an mich.

Aue ist Ihre erste Station in Deutschland seit vier Jahren. Wie wichtig war es Ihnen, wieder in der Heimat und in der 1. oder 2. Bundesliga zu arbeiten?
Die Liga hat nicht so wirklich eine Rolle gespielt. Aber wichtig war mir, wieder in Deutschland zu sein und hier arbeiten zu können. Vor allem war mir aber wichtig, ein Projekt mitzutragen, das für mich interessant ist. Ich habe gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, Dinge zu entwickeln. Und der FC Erzgebirge ist ein Klub, der sowohl in der Infrastruktur als auch im sportlichen Bereich Entwicklungspotenzial hat. Da möchte ich mit meiner Erfahrung mithelfen, Dinge auf den Weg zu bringen. Sportlich habe ich in Aue ein Team, das bei der Sache ist und prima mitzieht.

Welches Kompliment würden Sie am Saisonende über sich und Ihre Mannschaft am liebsten hören?
Dass unser Teamspirit so stark war, dass wir im ganzen Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun hatten.

Das ist auch gleichzeitig das Saisonziel?
So sieht es aus.

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