FC Barcelona spielt für Toleranz in Nahost

Unter der Schirmherrschaft von Shimon Peres und Mahmud Abbas wirbt der Fußball für Versöhnung

  • Benjamin Rosendahl, Tel Aviv
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Sonnabend kommt der FC Barcelona mit Starspieler Lionel Messi nach Israel und in die Palästinensergebiete, um für Toleranz zu werben. Der Fußball soll den neuen Friedensprozess im Nahen Osten stützen.

Da sage noch mal einer, Fußball sei Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Am Wochenende wird, ganz im Gegenteil, der Fußball an der Spitze des neu begonnenen Friedensprozesses im Nahen Osten stehen, wenn der FC Barcelona Israel und die Palästinensergebiete besucht. So wird das Team um die Superstars Messi, Xavi, Neymar gegen ein palästinensisch-jüdisches Kinderteam spielen, das »Peres Center for Peace« besuchen, und sowohl in Kirchen in Bethlehem und Hebron als auch an der Klagemauer in Jerusalem für den Frieden beten.

Drei Millionen Euro kostet Barça die Reise nach Angaben des israelischen Nachrichtenportals »Ynet«. Denn der Klub verzichtet dafür auf ein Freundschaftsspiel in Indien, das eben diese Summe eingespielt hätte. Stattdessen steht Wohltätigkeit auf dem Programm der Katalanen - sämtliche Einnahmen dieser Reise werden an Projekte gespendet, die israelisch-palästinensische Friedenszwecke fördern. Da passt es ganz gut, dass die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern just vor einer Woche nach jahrelanger Pause wieder aufgenommen worden sind.

Israels Staatspräsident Shimon Peres, der diesen Monat seinen 90. Geburtstag feiert und vor 20 Jahren einer der Architekten des Oslo-Friedensprozesses zwischen Israel und den Palästinensern war, wird die Toleranztour des FC Barcelona eröffnen. Er gibt die Schirmherrschaft ebenso wie Israels Premierminister Netanjahu - damals vehementer Gegner Oslos - und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Aber längst nicht alle sind von der neuen Friedensatmosphäre überzeugt: So richtet Dschibril Radschub, ehemals Chef der Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde und seit 2006 Vorsitzender des palästinensischen Fußballverbands über das israelische Nachrichtenportal »Arutz Sheva« aus, dass es noch zu früh sei für ein Spiel der palästinensischen Nationalmannschaft gegen Israel im Rahmen der Feierlichkeiten.

Die Gründe dafür dürften nicht nur sportlich gewesen sein: Erst kürzlich hatte Radschub versucht, zu verhindern, die U21-EM im Juni in Israel stattfinden zu lassen - mit dem Verweis auf die Situation der Palästinenser, für die Israel mitverantwortlich sei. Im Gegensatz zu damals kann Israel diesmal jedoch auf die Unterstützung durch Abbas und auf die Friedensverhandlungen verweisen.

Ein weiterer Punkt des Anstoßes ist die neue Karriere des von der Hamas entführten und nach fünf Jahren Gefangenschaft 2011 freigelassenen Gilad Shalit: Er ist Sportkommentator geworden. Anfang des Monats berichtete das zweite israelische Fernsehen von Protesten einiger Hamas-Anhänger im Gazastreifen gegen die Entscheidung, Shalit als Berichterstatter zum »Classico« zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid einzuladen. Dies sei, so die Hamas, ein Akt der Ungerechtigkeit den Tausenden Palästinensern gegenüber, die in israelischen Gefängnissen seien. Ob Shalit nun auch vom Barça-Besuch berichtet, ist noch ebenso wenig bekannt wie die Frage, ob die Freilassung von 103 palästinensischen Gefangenen, der die Knesset diese Woche zugestimmt hat, die Einstellung der Hamas ändern wird.

Der Besuch des FC Barcelona hat definitiv politisches Gewicht. Den meisten der 30 Journalisten aus Spanien, die sich angemeldet haben, wird es aber um Fußball gehen. Ebenso der Handvoll brasilianischer Reporter, die ihren Landsmann Neymar erstmals im Barça-Trikot sehen wollen.

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