»Das ist schon ein Aufbruch«
Mit Bernhard Bauer soll im mitgliederstärksten Handballverband der Welt ein neuer Wind wehen
Krise? Untergang? Die schwarzen Szenarien im deutschen Handball, heraufbeschworen nach den verpassten Qualifikationen für das olympische Handballturnier 2012 und die EM 2014, widersprachen der gelösten Stimmung auf dem 31. Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB). »Das ist schon ein Aufbruch«, beschrieb Bundestrainer Martin Heuberger die gute Atmosphäre in einem Düsseldorfer Hotel. Am Samstag entschieden 112 Delegierte über die Zukunft des mitgliederstärksten Handballverbandes der Welt.
Verantwortlich für das prima Klima war in erster Linie der neue Präsident. Der Jurist Bernhard Bauer, 62, Ex-Bundesliga-Torwart bei Frisch Auf Göppingen, Spitzenbeamter in Baden-Württembergs Umwelt- und Verkehrsministerium, wurde einstimmig zum Nachfolger des Gummersbacher Rechtsanwalts Ulrich Strombach gewählt, der den DHB seit 1998 geführt hatte. Mit Bauer wird, diese Prognose ist nicht kühn, ein neuer Wind im DHB wehen.
Strombach hatte mit seinen Alleingängen viele Funktionäre gegen sich aufgebracht. Bauer will nun die vielen Konflikte, die es im deutschen Handball gibt, speziell zwischen Dachverband und Bundesliga, kommunikativ wegmoderieren und lösen. Die Chancen stehen gut; der Mann aus Neckarsulm ist ein smarter Gesprächspartner, konziliant im Ton, nicht so polterig und eigenwillig wie sein Vorgänger. Ein Mann mit Format, der womöglich auch für noch höhere Aufgaben in Frage kommt. Bauer sei sicher »der geeignetste Kandidat« gewesen, sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand.
Auch die Leute, die Bauer um sich gruppiert hat und die alle mit breiter Mehrheit gewählt wurden, stellen ein Versprechen für die Zukunft dar. Schlüsselfigur ist zweifelsohne Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, der fortan als Vizepräsident Leitungssport den Bereich der Nationalmannschaften zu verantworten hat. Hanning wurde in den letzten Monaten als Messias gehandelt, als Mann, der per Handauflegen alles regeln könne. Andreas Michelmann, Oberbürgermeister von Aschersleben, will den Breiten- und Amateursport beleben, auch Nischen wie Beachhandball fördern. Der Präsident des Hamburger Handballverbands, Rolf Reincke, soll die Verwaltung und die Finanzen neu strukturieren. Und dass mit der 38-Jährigen Anja Matthies, einer Ex-Juniorennationalspielerin und promovierten Juristin aus Hamburg, endlich eine Frau die vielen weiblichen DHB-Mitglieder im Präsidium repräsentiert, verkörpert ebenfalls einen Neuanfang: Bauer erklärte, dass man sich intensiv dem Frauenhandball, der zuletzt stiefmütterlich behandelt wurde, widmen wolle.
Bauer will auch eine wissenschaftliche Kommission einrichten, an der Spitze soll Helmut Digel stehen, der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und ehemaliger Handballer. Alle wissen freilich, dass der DHB finanziell vom Erfolg des Männer-Nationalteams abhängig ist. Bauer hat die Vision, dass das Team von Trainer Heuberger schon im Januar 2015 das WM-Finale von Doha (Katar) erreicht. Wie steinig der Weg dorthin ist, weiß Bauer. »Wir brauchen auch ein bisschen Glück.«
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.