Hannah und die drei Schwestern
Freestyle: Die Geschwister Dufour-Lapointe machen es Favoritin Kearney schwer
Hannah Kearney ist ein Familienmensch, gerne schaut die US-amerikanische Ski-Freestylerin Bruder Denny beim Eishockey zu. Eine ganz bestimmte Familie allerdings mag die 27-Jährige für die Dauer der Buckelpisten-Wettbewerbe in Sotschi überhaupt nicht: die Dufour-Lapointes. Die kanadischen Schwestern Maxime (23), Chloé (22) und Justine (19) machen Kearney im Dreierpack das fest eingeplante Gold streitig.
Die Geschwister Dufour-Lapointes müssen freilich darauf hoffen, dass sich Kearney bei den drei Finalläufen am Samstag überhaupt angreifbar macht. Denn sollte alles normal laufen, ist die Olympiasiegerin von Vancouver und aktuelle Weltmeisterin auch in Russland kaum zu schlagen. Zumal ihr die Piste im Extreme Park von Rosa Chutor liegt.
»Sie passt zu meinem Style«, sagte Kearney nach dem Qualifying. Da unterstrich sie ihre Favoritenrolle bereits eindrucksvoll: Kearney zeigte mit 23,05 Punkten die beste Leistung - vor den Chloé (22,64 Punkte) und Justine Dufour-Lapointe (22,28). Den Druck spürt sie dennoch: »An der Spitze kann man nicht weiter aufsteigen - nur da bleiben oder abstürzen.«
Dass es für die kanadischen Schwestern einfacher ist als für sie, kann Kearney sogar beweisen: »Es gibt wissenschaftliche Erhebungen, dass es für die Außenseiter leichter ist, und ich bin kein Außenseiter.« Sobald sie auch nur annähernd nachließe, würden die anderen »mich abschießen«. Auch, weil die langjährige Dominatorin der Szene in der laufenden Saison einige Schwächen gezeigt hat. In Sotschi will sie die Fehler »aus meinem System löschen. Das ist zumindest der Plan.«
Ein Plan, den Maxime, Chloé und Justine durchkreuzen wollen - auch wenn sie sich gar nicht so gerne im Dreierpack wahrgenommen haben wollen. »Wir waren sehr aufgeregt und stolz, als klar war, dass wir alle zusammen zu Olympia fahren. Inzwischen haben wir uns aber etwas beruhigt«, sagt Justine: »Wir sind zusammen nach Sotschi gekommen, fahren aber für uns alleine.«
Die besten Chancen für eine goldene Überraschung werden Chloé zugeschrieben. Die Parallelweltmeisterin sicherte sich im Januar pünktlich zu den Spielen ihren ersten Weltcup-Sieg und bewies ihren Formanstieg, den der Gewinn des WM-Titels ausgelöst zu haben scheint. »Das hat mir gezeigt, dass ich ganz oben mithalten kann, das Tempo habe ich seitdem mitgenommen«, sagt sie. Ein Tempo, mit dem sie und ihre Schwestern Hannah Kearneys Familiensinn nachhaltig beeinträchtigen könnten. SID
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