Frust und Verbitterung

Bosnien scheidet nach dem 0:1 gegen Nigeria aus

  • Thomas Roser, Belgrad
  • Lesedauer: 2 Min.

Dem Frust der Fans über das Ausscheiden der nationalen Hoffnungsträger im fernen Brasilien folgt in Bosnien-Herzegowina bald die Verbitterung. »Die Drachen bei der WM bestohlen, besiegt und eliminiert«, titelte am Sonntag das Online-Portal »klix.ba«. Der Zorn von Fans, Medien und Spielern nach der ebenso unerwarteten wie fatalen 0:1-Niederlage gegen Nigeria richtete sich vor allem gegen den neuseeländischen Schiedsrichter Peter O’Leary, der einem regulären Treffer von Edin Dzeko in der ersten Hälfte wegen vermeintlichen Abseits die Anerkennung versagte. »Wir hätten gewinnen müssen«, wütete Dzeko: »Es ist traurig, dass wir nach Hause müssen. Aber mit uns sollte auch der Schiedsrichter die Koffer packen..«

In den gelb-blauen Landesfahnen gewandet waren Tausende von Fans auf die Markplätze und Cafes des zerrissenen Vielvölkerstaats gepilgert, um nach Mitternacht gemeinsam den ersten sicher einkalkulierten Sieg des WM-Neulings zu feiern. Doch der erhoffte Höhenflug der in der Vorbereitung noch so treffsicheren, aber bei der WM merkwürdig gelähmt wirkenden Drachen blieb auch beim zweiten WM-Auftritt aus. Nicht nur der Schiedsrichter, sondern auch die eigenen Nerven, und das stark aufspielende Nigeria spielten den Schützlingen von Trainer Safet Susic einen Streich: Ungläubig und fassungslos verfolgten die Fans, wie die Mannschaft gegen den vermeintlichen Außenseiter Nigeria die Segel strich.

Mehr als einen Pfostenschuss in der Nachspielzeit durch Dzeko sollte der eher überhastete Sturmlauf der Drachen aber nicht erbringen. An der verdienten Niederlage gibt es laut Asmir Begovic denn auch nichts zu rütteln: »Nigeria war besser und verdiente den Sieg. Wir gaben alles, aber das war nicht genug. Wir hatten einfach kein Glück.« Die WM sei eine große Erfahrung, so der Torwart: »Nun wollen wir im letzten Spiel gegen Iran wenigstens die ersten Punkte einfahren - und einen historischen Sieg erzielen.«

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.