Kleines Land mit mächtigem Fonds
Norwegen bereitet Investitionsoffensive mit ethischem Profil vor
Rund 800 Milliarden Euro umfasst der wahrscheinlich größte Fonds der Welt im Moment. Doch durch die drastisch gefallenen Ölpreise sind die Einzahlungen in den norwegischen Pensionsfonds vergangenes Jahr wesentlich geringer ausgefallen als im Jahrzehnt davor. Nun soll die nationale Sparbüchse nachhaltiger und ihre Finanzkraft bei den Investitionen stärker ausgenutzt werden, damit auch zukünftige Generationen von den Milliardengeschäft mit den nordischen Erdölvorkommen profitieren.
Die korrekte Bezeichnung des Fonds lautet »Staatlicher Pensionsfonds Ausland« und bezieht sich damit auf Anlagenstrategie und Zweck. In ihn fließt ein Großteil der bereits besteuerten Gewinne des Öl- und Gasförderer Statoil, der sich zu rund zwei Dritteln in staatlichem Besitz befindet. Aufgabe des Fonds ist es, der norwegischen Bevölkerung ausländische Einnahmequellen zu sichern, wenn das Öl- und Gasgeschäft der Gegenwart sich seinem Ende nähert und eine nationale Ressource somit aufgebraucht ist. Kurz gesagt sollen nicht nur die heute lebenden Generationen von einem Rohstoff profitieren, der Eigentum des norwegischen Volkes ist. So ist in seinen Statuten festgehalten, dass maximal vier Prozent der Rendite dem norwegischen Staatsfonds zugeführt werden darf.
Die ausschließliche Investition im Ausland wird damit begründet, dass die Fondsverwalter sich so nicht gegenüber der norwegischen Öffentlichkeit rechtfertigen müssen, warum man so viel und nicht mehr oder weniger in ein einheimisches Unternehmen investiert. Es gibt aber auch einen ganz praktischen Grund: Der norwegische Markt wäre zu klein für zwei staatliche Fonds. Denn der Pensionsfonds, der die freien Sozialversicherungsmittel verwaltet, investiert bereits in Norwegen.
Gegenwärtig gibt es Überlegungen, vom Stimmenrecht, das der Aktienbesitz bei rund 8000 Unternehmen mit sich bringt, stärker Gebrauch zu machen. Bisher hat der Fonds diskret bis zur Hauptversammlung gewartet, bis er seine Meinung zu bestimmten Entscheidungen kundtat. Das will man künftig schon vorab tun. Da sich Investoren mit betont ethischem Profil oft am Ölfonds orientieren, kann dies Unternehmensentscheidungen beeinflussen.
Obwohl der Fonds die offizielle Linie vertritt, unpolitisch zu sein und wie jeder private Fonds gewinnorientiert arbeitet, kann er allein auf Grund seiner schieren Größe viel bewegen. Bestimmte Rüstungsunternehmen, Alkohol und Tabak stehen seit jeher auf der schwarzen Investitionsliste. Ihr wurden mit den Jahren weitere Tabus hinzugefügt. So sind mittlerweile Investitionen in Kohle verboten sowie in Unternehmen, deren Geschäfte oder Produkte als klimaschädlich betrachtet werden.
Dabei ist der Fonds, der im Jahr 1996 bescheiden gestartet ist, mittlerweile auf dem internationalem Finanzmarkt: Er besitzt Milliarden von Aktien und hat beispielsweise einen Marktanteil in Europa von etwa 2,5 Prozent. Hinzu kommen Milliarden von Staatsanleihen in einer Reihe von Ländern. Für Deutschland liegt der Betrag bei geschätzten 13 Milliarden Euro.
Bei diesen Beträgen haben Reduzierungen von wenigen Prozentteilen kräftige Auswirkungen auf den Markt. Gesetzlich festgelegt ist, dass der Fonds 60 Prozent seiner Mittel in Aktien anlegt, fünf Prozent in Immobilien und den Rest in Staatsanleihen. Die Investitionspolitik des Fonds ist zwar vorrangig auf langfristige Anlagen ausgelegt, aber ein schnelles Handeln und damit eine schnelle Entscheidung für oder gegen ein ethisch problematisches Geschäftsmodell sind damit nicht ausgeschlossen.
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