Betonrissköpfe
Tom Strohschneider über die atomstrompolitische Unvernunft
Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann - ein Spruch, der seit Jahrzehnten auch von nuklearpolitischer Unvernunft dementiert wird. Nicht Harrisburg, nicht Tschernobyl und auch nicht Fukushima haben die Atomlobby und ihre Helfershelfer vom Kurs des leicht und gefährlich verdienten Geldes abbringen können: Betonköpfe, die rissige Schrott-Akw betreiben.
Aber Stopp: Gibt es nicht den Atomausstieg in Deutschland? Richtig, und man wird Angela Merkel vieles vorwerfen können, nicht aber diese Entscheidung. Nur zeigt sich am Beispiel auch trefflich: Ein Atomausstieg in einem oder ein paar Ländern kann nicht überzeugen. Wenn gleich hinter der Grenze französische und belgische Gefahren lauern; wenn in Osteuropa weiter auf die anachronistische Technologie gesetzt wird; wenn die EU-Kommission immer noch ein strahlendes Geschäftsmodell hätschelt, dessen Müll, Risiken und jahrzehntelange Subventionierung die Öffentlichkeit Abermilliarden kosten.
Der E.on-Chef, der wegen des Atomausstiegs gegen die »Enteignung« seines Konzerns klagt, erwartet in Karlsruhe »Gerechtigkeit«. Das ist etwas, das Steuerzahler, Anwohner von Atommüll-lagern und Opfer von Unfällen in der Logik derer, die Eigentumsschutz nur als Profitförderung verstehen, nicht beanspruchen sollen. Gerecht wäre es, mit dem Atomstrom sofort Schluss zu machen: überall. Dafür ist es zwar immer schon zu spät, wie Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima bewiesen haben. Aber es wäre vernünftig. Und möglich. Auch, weil der Kopf rund ist ...
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.