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Ein Recht auf die historische Wahrheit

Staatsanwalt López über die juristische Aufarbeitung

  • Lesedauer: 2 Min.

Welche Bedeutung hat der Prozess gegen den Ex-Diktator Efraín Ríos Montt für Guatemala?

Der Prozess gilt als Jahrhundertprozess in Guatemala und es wurde ein historisches Urteil gefällt, welches klar besagt, dass es in Guatemala einen Genozid gegen die Ixil gab. Daran lässt sich nicht rütteln, denn annulliert wurde nur der letzte Teil des Urteils - die historische Wahrheit wurde nicht in Frage gestellt.

Was bedeutet die historische Wahrheit für das Land?

Wir reden über einen Konflikt, der rund 35 Jahre zurückliegt, es geht um Tausende von Toten und Verschwundenen und die Angehörigen der Opfer haben ein Recht auf Aufklärung, ein Recht auf die historische Wahrheit und die ist extrem wichtig, wenn man vermeiden will, dass sich die Geschichte wiederholt. Da ist noch vieles zu klären und es wird weitere Prozesse geben, um mehr Licht in die Zeit des Bürgerkriegs zu bringen. Immerhin weiß die Mehrheit der Bevölkerung heute, wer verantwortlich war und was das Militär gemacht hat.

Welche Relevanz haben die Exhumierungen und die Arbeit der Forensiker?

Beides ist extrem wichtig, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ein aktuelles Beispiel sind die Ausgrabungen auf dem Gelände der Garnison von Cobán, wo die Militärs zunächst den Zugang verweigerten und sich dann erst dem Gerichtsbeschluss beugten. Anfangs wurden sechs Skelette gefunden, dann stieg die Zahl auf 235 und heute sind es die Überreste von 558 Menschen, die dort verscharrt wurden. Es wird dauern bis die Experten der Stiftung für forensische Anthropologie die Identität aller Toten geklärt hat. Sie leisten eine unschätzbare Arbeit. Sie sind es, die in vielen Fällen rekonstruieren, was passiert ist.

Die Militärs sind nicht gerade davon angetan, oder?

Bis heute versuchen die Militärs, ihr Tun zu rechtfertigen - das ist eine Schande. So gibt es beispielsweise eine »Stiftung gegen den Terrorismus«, hinter der die Militärs stehen. Sie lanciert Anzeigen gegen Menschenrechtsanwälte, Richter und Staatsanwälte. Es heißt in meinem Fall beispielsweise, dass ich Geld aus dem Ausland erhalten hätte. Es ist nicht einfach, sich dagegen zu wehren, aber noch vor zehn bis 15 Jahren hätte man mich entführt, gefoltert und verschwinden lassen.

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