Cameron gibt Beteiligung an Briefkastenfirma zu

Panama Papers: Britischer Premierminister habe Aktien im Januar 2010 verkauft / Konservativer: »Ich habe wirklich nichts zu verbergen«

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Nach den Enthüllungen der »Panama Papers« hat der britische Premierminister David Cameron eine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters eingeräumt. Zusammen mit seiner Frau habe er vor seinem Amtsantritt als Regierungschef Anteile im Wert von rund 30.000 Pfund (37.000 Euro) am Blairmore Investment Trust besessen, sagte Cameron am Donnerstag dem Fernsehsender ITV. Er habe die 5.000 Anteile aber 2010 verkauft. Vor zwei Tagen hatte Cameron noch mitteilen lassen, dass es sich bei den Finanzgeschäften seiner Familie um eine »private Angelegenheit« handele.

Britische Medien hatten zuvor berichtet, der Investmentfonds von Camerons 2010 verstorbenem Vater habe über Jahrzehnte die Zahlung von Steuern vermieden. Nach Informationen des »Guardian« beschäftigte Blairmore rund 50 Mitarbeiter auf den Bahamas, um Firmenpapiere zu unterzeichnen und so die britischen Steuern zu umgehen. Das Geschäftsmodell war aber nicht illegal. Das Büro des Regierungschefs erklärte dazu am Dienstag: »Damit das klar ist - der Premierminister, seine Frau und ihre Kinder profitieren nicht von irgendwelchen Briefkastenfirmen.« In dem Fernsehinterview erklärte Cameron nun, er habe die Aktien im Januar 2010 verkauft, vier Monate vor seinem Amtsantritt als Premierminister. Er habe dadurch vermeiden wollen, dass ihm jemand vorwerfe, er lasse sich im Amt von persönlichen Interessen leiten.

Ian Cameron war als Börsenmakler tätig und hinterließ seinem Sohn ein stattliches Vermögen. Er starb vier Monate nachdem sein Sohn als britischer Premierminister vereidigt wurde. Er habe sich nichts vorzuwerfen, betonte Cameron. Die Einnahmen aus dem Geschäft habe er rechtmäßig in Großbritannien versteuert. »Ich habe wirklich nichts zu verbergen«, beteuerte Cameron. »Ich besitze zwei Häuser, von denen ich eines vermiete, und ich beziehe mein Einkommen als Premierminister.« Er besitze keine Aktien mehr, verfüge aber über Ersparnisse.

Neben Cameron gerieten unter anderem auch Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson und Argentiniens Präsident Mauricio Macri unter Druck. Gunnlaugsson trat inzwischen zurück, gegen Macri wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Agenturen/nd

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