Tränengas gegen Flüchtlinge
Explosive Lage vor dem Grenzzaun bei Idomeni
Idomeni. Die mazedonische Polizei hat an der Grenze zu Griechenland erneut Tränengas und Blendgranaten gegen Flüchtlinge eingesetzt. Wie ein AFP-Reporter berichtete, ging die Polizei am Mittwoch massiv gegen die Menschen vor, die gegen die Schließung der Grenze in Idomeni protestierten. An dem Protest beteiligten sich etwa hundert Flüchtlinge. Die Flüchtlinge forderten die Öffnung der Grenze. Sie rüttelten dabei auch von griechischer Seite aus am Grenzzaun, woraufhin die mazedonische Polizei Tränengas und Blendgranaten abfeuerte. Nur wenige hundert Meter von dem Polizeieinsatz entfernt besuchte Mazedoniens Staatschef Gjorge Ivanov das Gebiet. Er wurde von seinen Kollegen aus Slowenien und Kroatien, Borut Pahor und Kolinda Grabar Kitarovic, begleitet.
Am Wochenende hatte es im griechischen Grenzort Idomeni heftige Zusammenstöße zwischen Flüchtlingen und der Polizei mit fast 300 Verletzten gegeben. Mazedonien und Griechenland gaben sich gegenseitig die Schuld für die Eskalation zwischen mazedonischen Polizisten und etwa 3000 Flüchtlingen, die versuchten, die Grenzanlage gewaltsam zu stürmen. In Idomeni sitzen Tausende Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor einigen Wochen von Ländern wie Mazedonien, Slowenien und Kroatien abgeriegelt worden war.
Zugleich wagen sich offensichtlich immer mehr Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg von Nordafrika nach Italien. Anfang der Woche seien mehr als 4000 Flüchtlinge von Booten im Mittelmeer zwischen Nordafrika und Sizilien aufgegriffen worden, teilte die italienische Küstenwache am Mittwoch mit. Allein am Dienstag habe es 17 Rettungseinsätze gegeben.
Laut einem Sprecher der libyschen Küstenwache hätten die Seestreitkräfte seines Landes am Dienstag sechs Boote mit 649 Flüchtlingen an der Weiterfahrt Richtung Italien gehindert. Am Vortag seien 115 Bootsflüchtlinge aufgegriffen worden.
Den aktuellsten Zahlen der UNO zufolge kamen seit Jahresbeginn 19 900 Flüchtlinge über das Mittelmeer in Italien an. In Griechenland waren es im selben Zeitraum 153 000 Menschen. Der Landweg von Griechenland zu den Fluchtzielen in Mitteleuropa ist inzwischen für Flüchtlinge weitgehend gesperrt. Beobachter fürchten, dass die Schutzsuchenden nun Ausweichrouten nutzen - etwa den Seeweg von der libyschen Küste nach Italien. AFP/nd
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