Grenzkontrollen kosteten schon Milliarden
Studie: Europas Wirtschaftsleistung bereits um neun bis 15 Milliarden Euro pro Jahr verringert
Berlin. Die umstrittene Rückkehr zu Grenzkontrollen zur Abwehr von Geflüchteten kostet Europas Wirtschaft Milliarden: Die Kontrollen hätten Europas Wirtschaftsleistung bereits um neun bis 15 Milliarden Euro pro Jahr verringert, heißt es in einer neuen Studie des Münchner Ifo-Instituts, aus der die »Süddeutsche Zeitung« zitierte. Die längeren Wartezeiten an den Grenzen erhöhen die Transportkosten, verteuerten dadurch die Waren und verringerten den Handel, argumentierten die Ifo-Experten. Die Kontrollen hielten auch Touristen vom Reisen ab und behinderten die vielen Firmen, die ihre Produktion auf eine lagerschonende Lieferung von Teilen in letzter Minute umgestellt haben.
Seit Mitte vergangenen Jahres hatten Schweden, Frankreich, Deutschland und Österreich Ausnahmen vom Schengen-Abkommen beantragt, um Ankommende an den Grenzen zu kontrollieren. Sollten die Grenzkontrollen auf alle 22 Schengen-Staaten ausgedehnt werden, würde der wirtschaftliche Schaden auf 27 bis 65 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen, schätzte das Ifo-Institut. Damit liegen die Münchner Forscher niedriger als zuvor andere Studien des Prognos-Instituts und von France Strategie.
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) will derweil Österreich bei möglichen Grenzkontrollen am Brenner logistisch unterstützen. »Die bayerische Staatsregierung prüft gerade, ob bayerische Beamte den österreichischen Kollegen bei den Kontrollen helfen können«, sagte Söder der »Bild am Sonntag«. Auch Italien werde verstehen, dass das Durchwinken von Flüchtlingen kein politisches Konzept mehr sei. Söder sagte, es könne sein, dass Grenzkontrollen am Brenner »unvermeidlich« würden. »Der Flüchtlingsstrom der Balkanroute ist dank nationaler Maßnahmen und Grenzkontrollen beendet worden. Das gleiche System muss jetzt für die Ausweichrouten angewendet werden.«
Österreich trifft bauliche Vorbereitungen am Brenner für die Grenzkontrollen. Österreichs Außenminister Sebastian Kurz zeigte sich am Freitag bei einem Besuch in München aber optimistisch, dass die Umsetzung der Kontrollen noch verhindert werden kann. Sollten die Kontrollen eingeführt werden, drohen auf der wichtigsten Urlaubsstrecke nach Italien lange Wartezeiten. Agenturen/nd
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