Türkische Faschisten demonstrieren für Erdogan

»Graue Wölfe« beteiligten sich an Kundgebungen in Deutschland und Österreich gegen den Putsch / Kurdische Lokale angegriffen

  • Elsa Koester
  • Lesedauer: 2 Min.

Türkische Nationalisten nutzten die Proteste gegen den Putsch, um in Deutschland und Österreich erneut Präsenz zu zeigen und sich gegen Linke und Kurden in Stellung zu bringen.

In Wien kam es am Samstag zu einer gemeinsamen Demonstration von linken Kräften und türkischen Nationalisten. Die »Neue Linkswende« hatte auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf zu der Demonstration »Gegen den Militärputsch in der Türkei« unterstützt. Organisiert wurde der Protest unter anderem von der AKP-nahen »Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD)«.

Beobachtern zufolge sei die Kundgebung von Grüßen der faschistischen türkischen Partei »Graue Wölfe« (Partei der Nationalistischen Bewegung), »PKK-Terrorist«-Rufen und »Recep Tayip Erdogan«-Sprechchören dominiert gewesen. Die Chöre der linken Teilnehmer, »Hoch die Internationale Solidarität«, seien untergegangen. Im Zuge der Demonstration sei es dann zu Angriffen auf ein von Kurden geführtes Lokal gekommen, berichtet ein Augenzeuge auf der linken Medienplattform »linksunten indymedia«.

Türkische Nationalisten, Erdogan-Anhänger und Linke lehnen Putsch ab

In Deutschland waren bereits in der Nacht auf Samstag Tausende Unterstützer Erdogans auf die Straße gegangen. Allein 3.000 Demonstranten zogen in Berlin spontan vor die türkische Botschaft. Auch hier nahmen an der Kundgebung rechtsextreme »Graue Wölfe« teil, wie der Grünen-Politiker Erik Marquardt auf Twitter berichtet.

Abgelehnt wurde der Putsch sowohl von Anhängern Erdogans, als auch von der Opposition. Die linke türkisch-kurdische »Föderation Demokratischer Arbeitervereine« in Deutschland (DIDF) erklärte, Demokratie und Freiheit in der Türkei können »weder von einer Ein-Mann-Diktatur noch von einem Militärputsch gesichert werden«, die Wahl zwischen den Putschisten und Erdogan sei »eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera«. Der Militärputsch diene der Regierung. »Das faschistische Regime wird nun diesen Putschversuch nutzen, um jegliche kritische Stimme und oppositionelle Kräfte stillzulegen.«

Bereits am Samstag hatte sich auch die kurdische Linkspartei HDP von dem Aufstand distanziert. »Die einzige Lösung ist demokratische Politik«, hieß es in einer Erklärung der beiden Vorsitzenden Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. »Wir sind, unter allen Umständen und aus Prinzip, gegen jede Form eines Putschs.«

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -