Verluste bei Vattenfall

Energieversorger muss Milliarden abschreiben

  • Lesedauer: 2 Min.
Der schwedische Energieriese leidet unter niedrigen Preisen für Öl und Gas - und unter dem zu langen Festhalten an der Braunkohle.

Stockholm. Der Verkauf seiner Braunkohlesparte in Deutschland hat dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall Milliardenverluste beschert. Das Minus im zweiten Quartal von April bis Juni betrug 28,6 Milliarden schwedische Kronen (drei Milliarden Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Die »Marktsituation mit niedrigen Energiepreisen und so gut wie unverändertem Marktvolumen« mache Wertminderungen an den Vermögenswerten, insbesondere fossilen Anlagen, erforderlich, so Vattenfallchef Magnus Hall. Insgesamt gehe es um 30 Milliarden Kronen, »davon entfallen allein 21 Milliarden auf die deutschen Braunkohleanlagen«. Allerdings wären die negativen Auswirkungen »noch deutlicher spürbar gewesen«, wenn die Anlagen im Unternehmen geblieben wären. Der Konzern habe durch den Verkauf der deutschen Braunkohlesparte auch Rückstellungen für die Wiederherstellung der durch die Kohleförderung zerstörten Landschaften eingespart, so Hall.

Vattenfall verkaufte die Braunkohlesparte mit Tagebauen, Kraftwerken und rund 7500 Beschäftigten im April an den tschechischen Energiekonzern EPH, Anfang Juli wurde das Geschäft durch die Genehmigung der rot-grünen schwedischen Minderheitsregierung perfekt. Die hatte Vattenfall zuvor beauftragt, sein Geschäft umweltfreundlicher zu machen. Hall hatte bereits im Mai angekündigt, sein Unternehmen werde bis zu drei Milliarden Euro abschreiben müssen.

Vattenfall beschäftigt rund 16 500 Menschen in Deutschland und ist nach E.on und RWE der viertgrößte Energieerzeuger hierzulande. Deutschland bleibe einer der wichtigsten Märkte, versicherte Hall. Durch den Verkauf habe Vattenfall seine künftige Ausrichtung deutlich gemacht: »das zu liefern, was der Kunde wünscht, also Strom und Wärme, die mit einem höheren Anteil an erneuerbarer Energie erzeugt wurden«. Zahlreiche Arbeitsplätze sind durch die Umstrukturierung gefährdet.

Vattenfall will sich grundsätzlich neu ausrichten: So werde der Konzern drei Milliarden Kronen in den Bau eines neuen Windparks im Meer vor der schottischen Küste investieren. Die Anlage soll im Frühling 2018 den Betrieb aufnehmen, 92,4 Megawatt Leistung haben und auch eine Forschungseinheit für neue Windkrafttechniken enthalten. In Schweden will Vattenfall zudem seine laufenden Atomreaktoren modernisieren, aber keine neue bauen, wie Hall erklärte. Agenturen/nd

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