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Chinas Regierung schlägt zurück
Reaktionen auf Trumps Zölle schwanken zwischen Rufen nach Mäßigung und Vergeltung
An den globalen Finanzmärkten ging es am Freitag nach Donald Trumps großer Zollankündigung weiter bergab. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte Chinas Ankündigung, eigene Zölle gegen die USA zu erheben. In den USA selbst könnten die Verbraucher die neuen Aufschläge des Präsidenten als erste und besonders heftig zu spüren bekommen. Viele importierte Produkte dürften sich nun verteuern. Vor allem Lebensmittel aus Kanada und Mexiko sowie Autos, High Tech, Kleidung und Schuhe aus Asien.
Innenpolitischer Druck in den USA
Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier geht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump wegen der Auswirkungen seiner Zollpolitik innenpolitisch unter Druck stehen wird. Die US-Amerikaner seien nicht bereit, auf Wohlstand zu verzichten, sagte die Ökonomin von der University of California Berkeley im Deutschlandfunk. Den USA stehe aber ein »Inflationsschock« bevor, und der werde der Trump-Regierung zugerechnet werden.
China kündigte indes Aufschläge in Höhe von 34 Prozent für Waren aus den USA an, die ab dem 10. April gelten sollen. Zudem würden Exportkontrollen für sieben Seltene Erden eingeführt, erklärte das chinesische Handelsministerium. Darunter ist demnach das bei der Magnetresonanztomographie (MRT) genutzte Gadolinium sowie das in Elektrogeräten verwendete Yttrium. Zudem hat Peking elf US-Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, was es für diese de facto unmöglich macht, weiter Handel in China oder mit chinesischen Firmen zu betreiben.
Die USA hatte Waren aus China bereits mit 20 Prozent Zöllen belegt. Nun treffen die Volksrepublik weitere Aufschläge von 34 Prozent, was die Zollbelastung für Produkte aus Fernost auf mehr als 50 Prozent steigen lässt.
Schock in Afrika
Afrikanische Länder bereiten sich derweil auf einen eigenen wirtschaftlichen Schock vor. Der Handelsminister von Lesotho, das mit dem höchsten Zollsatz von 50 Prozent belegt wurde, warnte vor einem »Blutbad auf dem Arbeitsmarkt« des 2,3 Millionen-Einwohner-Landes. Die Wirtschaft des kleinen Binnenstaats im südlichen Afrika hängt in hohem Maße vom Export von Textilien und Diamanten in die USA ab. »Wir stecken in großen Schwierigkeiten«, sagte Mokhethi Shelile.
Ähnlich wie in Lesotho gefährden die Strafzölle die Textilindustrien der südostafrikanischen Inselstaaten Mauritius und Madagaskar, deren Zölle von den USA auf 40 Prozent und 47 Prozent angehoben wurden. Vertreter beider Regierungen gaben sich zunächst pragmatisch und sagten, sie bemühten sich um bilaterale Neuverhandlungen. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die neuen Zölle das Agoa-Handelsabkommen außer Kraft setzen werden, das aktuell vielen afrikanischen Staaten zollfreien Zugang zum US-Markt gewährt, aber im September ausläuft.
Europäischer Pragmatismus
Mit Blick auf die EU sagte Malmendier, sie hoffe, dass es Verhandlungen gebe statt Eskalation. Die Europäer müssten jetzt ihren Binnenmarkt stark machen und noch bestehende Hemmnisse in der EU abbauen. Nötig sei auch eine Kapitalmarktunion.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), forderte dagegen, die Europäische Union müsse nun konzentriert – und koordiniert mit China, Mexiko und Kanada – auf den Handelskonflikt antworten. Die beste Antwort sei die Einführung gleich hoher Zölle. Der Konflikt sei eine Chance für die EU, Handelsmacht zu erlangen. Insbesondere gegen »den Machtmissbrauch« der US-Digitalkonzerne könne man nun vorgehen, um Datenschutz, ethische Standards und Transparenz umzusetzen. Insgesamt, so das DIW, bedeute die Situation das Ende für die multilaterale Weltordnung in Bezug auf Wirtschaft und Handel. syk/Agenturen
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