Internationaler Freiwilliger der YPG wirft USA Verrat vor

Amerikanischer Kämpfer: Unterstützung der türkischen Offensive ist Schlag ins Gesicht der Kurden

  • Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Unterstützung der USA für die türkische Offensive in Nordsyrien sorgt für Unmut unter ausländischen Freiwilligen, die auf Seiten der Kurden gegen den Islamischen Staat kämpfen. Ein ehemaliges Mitglied der Internationalen Brigaden aus den Vereinigten Staaten erhob schwere Vorwürfe: »Die Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht der Kurden. Aber nicht nur gegen sie, sondern auch gegen die ausländischen Freiwilligen«, erklärte Erwin Stran der kurdischen Nachrichtenagentur »Ara News«.

»Wir haben unter anderem alleine zwei Amerikaner bei der Operation zur Einnahme von Manbidsch verloren«, sagte er weiter. »Von den Verlusten der Kurden ganz zu schweigen.« Nun sei die kurdische Offensive jedoch vor einem Zusammenschluss der getrennten Rojava-Kantone gestoppt worden.

Nach Angaben der kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) waren insgesamt 264 Kämpfer bei der Befreiung von Manbidsch gestorben. Darunter sollen sich mindestens sechs Internationalisten befunden haben. Die beiden gefallenen Amerikaner waren laut kurdischen Nachrichtenagenturen der aus Maryland stammende William Savage und Levi Jonathan Shirley. Auch der Brite Dean Carl Evans, der Slowene Martin Gruden und der Portugiese Mario Nunes sollen laut »Rudaw« zu den Opfern gehören.

Der vormals in der YPG aktive Erwin Stran nannte die Deckung von Washington für die türkische Invasion einen »Verrat der US-Regierung«. »Es sieht zumindest danach aus«, fügte er hinzu. »Dieselbe Luftunterstützung, die Kurden in ihrem Kampf gegen den Islamischen Staat hatten, unterstützt jetzt eine Operation, die die Kurden zum Rückzug zwingt.« Stran war nach eigener Aussage über drei Monate nur zwei Kilometer von Dscharabulus entfernt stationiert.

Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten der YPG haben sich derweil bei den ausländischen Freiwilligen für ihren Einsatz bedankt. Der Vorsitzende der mit der Miliz verbundenen Partei PYD, Salih Muslim, erklärte gegenüber »Ara News«, dass die Internationalisten »humanistische Werte« verteidigen. Sie bekämpfen einen Gegner, der eine »Bedrohung für alle Menschen« ist.

Auch aus Deutschland haben sich mehrere Personen den kurdischen Einheiten angeschlossen. Wie viele es genau sind, ist nicht bekannt. Einige wenige von ihnen haben Interviews gegeben. Der 21-jährige Kevin Joachim aus Karlsruhe, die 19-jährige Ivana Hoffmann aus Duisburg und der 55-jährige Günter Helsten aus Göppingen waren im Kampf gegen den Islamischen Staat gefallen.

»Die Kurden sind sehr glücklich über die ausländischen Kämpfer. Sie fühlen sich nicht alleine«, erklärte Salih Muslim. »In der Vergangenheit hatten die Kurden nur die Berge als Freunde, aber heute haben wir Amerikaner, Briten, Franzosen, Deutsche und viele andere.«

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