Arbeitsschutz in kleinen Firmen oft Nebensache

Sachsen-Anhalt: Landesamt legt Bilanz 2015 vor - acht Menschen starben auf dem Bau, in Betrieben und Werkstätten

  • Petra Buch, Halle
  • Lesedauer: 2 Min.

Sehr kleine Betriebe nehmen es beim Arbeitsschutz nicht ganz so genau. »Je weniger Mitarbeiter ein Unternehmen hat, umso schwieriger ist es«, sagte Ulrich Bärenwald, Arbeitsschutzexperte vom Landesamt für Verbraucherschutz in Sachsen-Anhalt bei der Vorlage des Jahresberichts 2015. »Doch auch in einer kleinen Autowerkstatt werden gefährliche Chemikalien verwendet, gibt es Werkzeuge - und in einem Imbisswagen kann eine mangelhaft gewartete Strom- oder Gasleitung auch lebensgefährlich sein«, sagte Bernhard Räbel, Präsident des Landesamtes. Jedes Unternehmen sei unabhängig von der Größe verpflichtet, die Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einzuhalten, sagte Bärenwald. »Große Unternehmen mit vielen Beschäftigten sind in der Regel gut organisiert, was den Arbeitsschutz betrifft«, so der Arbeitsschutzexperte mit Blick auf die Statistik.

Demnach wurden 2015 in Sachsen-Anhalt knapp 5300 Betriebe verschiedenster Branchen - vom Versicherungsunternehmen bis zum Chemiebetrieb - und 2500 Baustellen kontrolliert. Dabei wurden diverse Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften und das Arbeitszeitgesetz aufgedeckt, vom unzureichend gesicherten Gerüst, falsch installierten Steckdosen bis zu verdreckten Arbeits- und Aufenthaltsräumen mit gefährlichem Schimmelpilzbefall. 331 Betriebe wurden speziell dahingehend überprüft, wie sie den Arbeits- und Gesundheitsschutz organisiert haben. Dafür bekam fast jeder zehnte Betrieb nur ein »mangelhaft«. 71 000 Unternehmen hat das Landesamt den Angaben zufolge in seinem Datenbestand.

Laut dem Bericht der Landesbehörde starben 2015 in Sachsen-Anhalt acht Menschen durch Arbeitsunfälle, das sind genauso viele wie im Jahr zuvor. Zwei Menschen kamen auf Baustellen um (2014: drei). »Jeder tödliche Arbeitsunfall ist einer zu viel«, sagte Bärenwald. »In aller Regel ist das Zusammentreffen mehrerer Umstände die Ursache für tödliche Arbeitsunfälle.« So wurde ein Mann in einer Maschine eingequetscht, als er versuchte einen Schlauch zu wechseln. Er überlebte dies nicht.

Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften, Zeitdruck sowie eine mangelnde Vorbereitung auf die Tätigkeiten gehörten häufig zu den Ursachen der tödlichen Unfälle. Auch in diesem Jahr kamen den Angaben zufolge bereits wieder Menschen während der Arbeit ums Leben: bis September waren es drei. dpa/nd

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