Peter Sagan sprintet zum WM-Titel
Die mitfavorisierten Deutschen spielten im Straßenrennen von Doha keine Rolle
Drei Kapitäne, aber alle im Versorgungsschiff. Das Straßenrennen der Männer wurde trotz aller Vorschusslorbeeren ohne deutsche Beteiligung entschieden. Entschlossenes Windkantenfahren des belgischen Teams und ein Defekt von John Degenkolb sorgten dafür, dass eine knapp 30 Fahrer starke Gruppe das Rennen unter sich ausmachte. Drei Weltmeister waren dann vorn. Es gewann Titelverteidiger Peter Sagan vor Mark Cavendish und Tom Boonen, den Weltmeistern von 2011 und 2005.
Erschöpft kauerte sich John Degenkolb an den Materialwagen. Stark gerötet war der Rücken von der Hitze. Die Kühlpackungen konnten den Körper nur langsam auf Normaltemperatur bringen. Zu der Erschöpfung kam der Frust. «Ich war in der Führungsgruppe, doch dann bremste mich ein Platter am Hinterrad. Das ist bitter, meinte der Bayer zu »nd«.
Der Mann mit Startnummer 91 war beim entscheidenden Moment auf der Höhe der Situation. Er war in der ersten Gruppe, als nach einer scharfen Rechtskurve in der Wüste das Feld auseinanderriss. Mit ihm war auch noch André Greipel, der deutsche Kapitän. Doch der Rostocker musste schnell abreißen lassen. »Mir fehlten ein paar Körner im Wind. Damit war das Rennen für mich eigentlich schon nach 70 Kilometern gelaufen«, sagte Greipel. Wenig später war es auch für Degenkolb vorbei.
Die zarten Hoffnungen der Deutschen - auch der nominelle Co-Kapitän Marcel Kittel befand sich in dieser Verfolgergruppe - auf einen Zusammenschluss mit den Führenden erfüllten sich nicht. Die Belgier, mit sechs Mann vorn vertreten, machten enormen Druck. Und in der zweiten Gruppe waren im Grunde nur die BDR-Athleten an der Führungsarbeit beteiligt.
Die Arbeit der deutschen Kapitäne - ihre Matrosen waren ganz am Ende der Flotille -wurde zusätzlich noch dadurch erschwert, dass die zwei belgischen Fahrer, die es nicht in die Führungsgruppe geschafft hatten, immer mal wieder nach vorn drängten und Tempo aus der Verfolgergruppe nahmen. Das erboste Degenkolb so sehr, dass er den Belgier Jens Debusschere mit Wasser bespritzte. »Er hatte um eine Abkühlung gebeten«, versuchte Degenkolb mit einem halben Scherz die Situation zu entspannen. Grundwütend war er aber immer noch, selbst im Ziel. »Ich finde es einfach respektlos, wie sich die beiden belgischen Fahrer verhielten. Sie mussten uns doch nicht andauernd im Weg herum stehen lassen«, grummelte er.
Debusschere war sogar etwas erschrocken über die Reaktionen, die seine Störmanöver ausgelösten. »Ich hoffe, John weiß, dass ich Respekt vor ihm habe. Ich denke, wir werden uns auch aussprechen können. Ich war ja auch in einer blöden Situation. Ich wusste, er fährt für André. Und über einen Sieg von André hätte ich mich auch gefreut«, sagte der Belgier, der sonst sein Geld im Greipel-Rennstall Lotto Soudal verdient. »Aber was sollte ich machen? Mein Coach hat mir den Auftrag erteilt.«
Viel halfen diese Manöver den Belgiern aber auch nicht. Im Sprint auf The Pearl war der Weltmeister des vergangenen Jahres erneut der Schnellste. Sagan setzte sich vor Cavendish und Boonen durch. Der Brite war frustriert, dass er im Sprint eingebaut war und abbremsen musste. Boonen war betrübt, dass die enorme Arbeit seines belgischen Teams nur mit Bronze belohnt wurde. Und die Stimmung der Deutschen war von jenem tiefen Schwarz, das der Himmel unmittelbar nach Sonnenuntergang auf der Pearl hat.
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