Odebrecht bestach Präsidenten

Perus Ex-Staatschef Alejandro Toledo ist auf der Flucht vor Interpol

  • Klaus Karleweit
  • Lesedauer: 3 Min.

29 Millionen US-Dollar bringen in Peru drei Ex-Präsidenten ins Schwitzen. Das Geld ist vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht gezielt eingesetzt worden, um an öffentliche Aufträge zu kommen. Dies war offenbar erfolgreich, wie die Beteiligung von Odebrecht am Bau der Interoceánica, dem Bau des Wasserkraftwerks Charcani V oder des Hafenausbaus von Bayóvar im Norden Perus belegen.

Die genannten Projekte und weitere, die das größte Bauunternehmen der Region in Peru durchführte, fallen alle in die Amtszeit der Präsidenten Alejandro Toledo von 2001 bis 2006, von Alan García in den Jahren 2006 bis 2011 und Ollanta Humala, der anschließend bis 2016 im Amt war. Alle drei stehen in Peru deswegen am Pranger. Sie müssen sich nun wegen der angenommenen Bestechungsgelder verantworten.

Besonders brisant sind die Ermittlungen gegen Alejandro Toledo. Peruanische Richter haben bereits Untersuchungshaft für Toledo angeordnet. Doch der hält sich in den Vereinigten Staaten auf, wobei mittlerweile mit internationalem Haftbefehl nach ihm gesucht wir. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Ex-Präsidenten und renommierten Wirtschaftswissenschaftlers führen, haben die peruanischen Behörden eine Belohnung von 30 000 US-Dollar ausgelobt, erklärte jüngst Perus Innenminister Carlos Basombrío.

Die Ermittlungsbehörden werfen Toledo vor, 20 Millionen US-Dollar (18,5 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern für den Bau der Interoceánica angenommen zu haben. Diese Straße verbindet über Tausende Kilometer hinweg die Atlantikküste Brasiliens mit der Pazifikküste Perus. Der Bau des Abschnitts in Peru hatte 2,1 Milliarden US-Dollar verschlungen. Ursprünglich geplant waren 850 Millionen US-Dollar.

Der 70 Jahre alte Toledo, der an der US-Eliteuniversität Stanford lehrt, bestreitet die Vorwürfe. Die basieren auf den Aussagen des früheren Peru-Chefs von Odebrecht, Jorge Barata. Im Falle einer Auslieferung und einer Verurteilung drohen dem Ex-Präsidenten bis zu 28 Jahre Haft. Laut den Angaben der peruanischen Regierung soll sich Toledo in San Francisco aufhalten und seine Ausreise Richtung Israel vorbereiten. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen hat Toledos Ehefrau Eliane Karp hat enge Verbindungen nach Israel und dort auch ein paar Jahre gelebt. Zum anderen ist der israelische Geschäftsmann Josef Maiman eine Schlüsselfigur in der Korruptionsaffäre.

Derweil stärkt der derzeitige Präsident Perus Pedro Pablo Kuczynski der Justiz den Rücken: »Gerechtigkeit ist für jeden. Wenn jemand Korruption begangen hat, sollte er bestraft werden«, twitterte er. Kuczynski selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten. Doch dem Vorwurf der Käuflichkeit müssen sich derzeit viele lateinamerikanische Politiker erwehren. So auch Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos. Der soll eine Million US-Dollar an Wahlkampfspenden von Odebrecht angenommen haben. Für Carlos Monge, Lateinamerikakoordinator des Natural Resource Governance Institute in der peruanischen Hauptstadt Lima, sorgt der Korruptionsskandal für eine weitere Schwächung der Glaubwürdigkeit des politischen Systems in Peru.

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