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Er hat euch gesehen

Velten Schäfer nach dem Kirchentag über Gott, die Welt und die Politik

  • Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

»Du siehst mich«, lautete die Losung des Evangelischen Kirchentages, der - je nach Stadtteil und Interesse - seit Mittwoch die Hauptstadt in Atem hielt oder unbemerkt an ihr vorbeizog. Was aber hat er nun gesehen, da das Herrgottsspektakel auf sein Finale zusteuert?

Da ließ eine Kanzlerin den US-Expräsidenten, der den Drohnenkrieg erfand, für eine Flüchtlingspolitik werben, die sie längst aufgegeben hat. Da verurteilte zwar ein Bischof die AfD, da war einmal mehr aber auch jener notorische CDU-Minister, der Christus ganz in deren Sinn für seine »Abschiebekultur« gewinnen will. Da leistete sogar eine Militärministerin »Friedensfürbitte« - und sang ein Publikum den Saalprotest gegen diese makabre Aufführung Berichten zufolge mit »christlichen Liedern« nieder.

Der Geist, der das gesehen hat, existiert wirklich - als kollektive Vorstellung im wörtlichen Sinn: nicht als Substanz, sondern als Motivation wie Wirkung eines inspirierten Lebens. Er zaubert nicht und trennt nicht im Himmel Gute von Bösen. Er ist nicht singulär, sondern ein Plural. Und doch fühlte man sich in jüngsten Tagen zuweilen versucht vom archaischen Wunsch nach dem einen, dem strengen Richter-Gott. Vielleicht mit jenen 14 Theologen, die Zeugnis ablegten wenigstens gegen das Kriegsgebet - und kein Gehör fanden bei einer Mehrheit, mit deren Gott man wirklich nichts zu tun haben will.

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