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Ostseehering mit großen Problemen

Klimawandel macht dem Nachwuchs zu schaffen

  • Lesedauer: 2 Min.

Der Greifswalder Bodden ist die wichtigste Kinderstube für den westlichen Ostseehering. Doch dort gibt es immer weniger Larven. Die Forscher vermuten eine komplexe Kausalkette - ausgelöst durch steigende Wassertemperaturen in der Ostsee.

Rügen. Messstelle 302 im Greifswalder Bodden: Bootsmann Gerald Schmidt und Biologie-Student Gai Fox ziehen ein feinlöchriges Netz aus dem Greifswalder Bodden an Bord des Forschungsschiffs »Clupea«. Das Gerät, das wegen seiner zwei Fangsäcke auch Bongonetz genannt wird, holt alles an Bord, was in der etwa sieben Meter hohen Wassersäule schwimmt: Meerasseln, kleine Krebse und Plankton. Doch die Ausbeute ihres eigentlichen Forschungsobjektes ist mies. Nur 24 Heringslarven schwimmen in den beiden Netzbechern des Fanggerätes.

Die Meeresbucht zwischen den Inseln Rügen und Usedom gilt als die bedeutendste Kinderstube für den Heringsbestand in der westlichen Ostsee. »Der Greifswalder Bodden ist wie eine große Paella-Pfanne geformt, mit wenig Strömung und einem großen Nährstoffangebot für die Larven«, sagt Christopher Zimmermann, Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. Das prädestiniert das Gebiet für die Eiablage. Rund 80 Prozent des westlichen Ostsee-Heringsbestandes haben hier ihren Geburtsort.

Seit 1977 messen die Fischereibiologen in jedem Frühjahr im Greifswalder Bodden die jährlichen Larvenzahlen. Doch die Forscher sind wegen der Langzeitmessungen beunruhigt. Seit 2004 produziert dieser Bestand schwächelnde Nachwuchsjahrgänge. Die 2016er-Werte lagen nur noch bei rund einem Fünfzehntel der durchschnittlichen Langzeitwerte und einem Fünfzigstel des Spitzenwertes von 1996 mit 21 Milliarden Larven.

Auch für dieses Jahr sehen die Prognosen eher schlecht aus. Die Forscher haben dafür nun erstmals eine ihnen schlüssig erscheinende Erklärung. Sie vermuten, dass ein Bündel von natürlichen Ursachen die hohe Sterblichkeit von Larven in einem frühen Stadium verursacht. Ausgelöst könnte dies durch eine - wenn auch nur um ein halbes Grad - erhöhte klimabedingte Wassertemperatur in der Ostsee. Ausreichend, um die fein justierte Nahrungskette zu stören. Ergebnis »Die Larven verhungern schlichtweg«, sagt Zimmermann.

Die Sterblichkeit des Heringsnachwuchses hat schon jetzt Auswirkungen auf die Entwicklung des Bestandes insgesamt. Erstmals konnten im vergangenen Jahr Forscher im Monitoring der ein- und zweijährigen Heringe einen Rückgang der Bestandszahlen beobachten - und das im gesamten Verbreitungsgebiet. dpa/nd

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