Krise am Golf: Nachbarstaaten isolieren Katar
Alle diplomatischen Beziehungen abgebrochen / Vorwurf: »anhaltende Unterstützung des Terrorismus« / Saudi-Arabien und Bahrain stoppen Luftverkehr
Berlin. Das Emirat Katar ist am Montagmorgen überraschend von seinen Nachbarn isoliert worden. In einer offenkundig konzertierten Aktion brachen Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch Ägypten alle diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Wie der Sender Al-Arabiya berichtete, erklärten die unmittelbaren Nachbarn des Emirats zudem alle Grenzen für geschlossen und forderten die Bürger Katars auf, ihre jeweiligen Länder in spätestens 14 Tagen zu verlassen.
Das ägyptische Außenministerium warf Katar vor, »Terrorismus« zu unterstützen und schloss alle Häfen und Flughäfen für Schiffe und Maschinen aus dem Emirat. Auch die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die seit März 2015 Luftangriffe auf mutmaßliche Stellungen von Aufständischen im Jemen fliegt, schloss Katar aus. Grund dafür sei die Unterstützung des Emirats von »terroristischen Organisationen im Jemen, darunter Al-Kaida und Daesh (die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat)«, hieß es in einer Erklärung, die SPA verbreitete.
Unterdessen stoppen Saudi-Arabien und Bahrain den Luftverkehr mit dem Emirat. Die saudische Luftfahrtbehörde verbot am Montag nach eigenen Angaben allen katarischen Maschinen die Landung. Zudem untersagte sie allen in Saudi-Arabien registrierten Luftlinien Starts in Richtung Katar, wie SPA meldete. Katars Flugzeuge dürften zudem Saudi-Arabien von Dienstag an nicht mehr überfliegen. Auch Bahrain stoppte alle Flüge von und nach Katar. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass mehrere Fluglinien aus Golfstaaten ihre Flüge nach Katar eingestellt haben. Dazu gehörten unter anderem Etihad Airways, Emirates, Flydubai und Gulf Air.
In den vergangenen Wochen war der Führung in Doha unter anderem in mehreren US-Medienberichten die Finanzierung von terroristischen Gruppen vorgeworfen geworden. Katar ist Teil der US-geführten Koalition im Kampf gegen die IS-Miliz. US-Außenminister Rex Tillerson rief die Golfstaaten auf, ihren Streit beizulegen. Er ermuntere die Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen »und die Differenzen anzusprechen«, sagte Tillerson in Sydney. Es sei wichtig, dass der Golf-Kooperationsrat »geeint bleibe«. Der Organisation gehören neben Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten auch der Oman und Kuwait an. Agenturen/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.