Senat macht ernst am Güterbahnhof Köpenick
Nach der Sicherung des Vorkaufsrechts will die Stadtentwicklungsverwaltung auch die Planung an sich ziehen
Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (LINKE) macht Tempo bei der Entwicklung der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Köpenick. Nach dem Erlass einer Vorkaufsrechtsverordnung für das Gebiet im Frühjahr will ihre Verwaltung nun auch die Bebauungspläne für die geplante Nutzung als Wohn- und Gewerbestandort selbst aufstellen. Am Dienstag hat der Senat bei seiner Sitzung Lompschers Vorlage zur »Feststellung der außergewöhnlichen stadtpolitischen Bedeutung« der Flächen zur Kenntnis genommen. Damit soll dem Bezirk Treptow-Köpenick die Planungshoheit für das Gelände entzogen werden. Vor dem endgültigen Beschluss hat zunächst der Rat der Bürgermeister der Bezirke Gelegenheit zu einer Stellungnahme.
»Um das 58 Hektar große Gebiet zu einem integrierten Wohn- und Gewerbestandort zu entwickeln, ist eine zügige gebietsbezogene Gesamtplanung zu entwickeln«, begründet Senatorin Lompscher den Schritt.
Auf dem langgezogenen Areal, das sich zwischen den S-Bahnhöfen Köpenick und Hirschgarten erstreckt, könnten nach Senatsvorstellungen bis zu 4500 Wohnungen entstehen. Es ist eines von elf neuen Stadtquartieren, die berlinweit in den nächsten Jahren entwickelt werden sollen.
Mit der Vorkaufsrechtsverordnung will der Senat der Bodenspekulation einen Riegel vorschieben. Ein Großteil der Fläche ist nach wie vor als Eisenbahngelände gewidmet und damit auf dem Grundstücksmarkt praktisch wertlos. Direkt angrenzende Grundstücke haben laut Bodenrichtwertatlas einen Verkehrswert zwischen 260 und 800 Euro pro Quadratmeter. Der tatsächliche Preis richtet sich dann nach der zulässigen Bebauungsdichte. Bei einer Gründerzeitquartieren ähnlichen Blockrandbebauung läge der Bodenpreis bei etwa 1000 Euro pro Quadratmeter - etwa ein Drittel dessen, was in Friedrichshain momentan fällig werden würde.
Auf das Gebiet aufmerksam geworden ist man im Senat, nachdem ein privater Investor mit dem Bauprojekt Stellinghöfe beim Bezirk Treptow-Köpenick vorstellig geworden ist. 850 Wohnungen und 400 Studentenapartments wollte Projektentwickler Marcus Beck von der BerlinPunkt GmbH im Auftrag der Eigentümergesellschaft Köwo GmbH auf dem schmalen Streifen nördlich der Bahnlinie errichten. Der Bezirk lehnte es ab, ein Bebauungsplanverfahren einzuleiten. Zu viel Baumasse sei vorgesehen, zu kompliziert sei die Planung unter anderem wegen des Eisenbahnlärms, hieß es 2016. Der Treptow-Köpenicker Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD) wollte sich vor Konsultationen mit der Stadtentwicklungsverwaltung nicht zu den Senatsplänen äußern.
Bereits seit August 2016 laufen vorbereitende Untersuchungen zur Festlegung städtebaulicher Entwicklungsziele. Sie sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Wann der Bau des neuen Stadtquartiers wirklich losgehen kann, ist noch offen. Dazu müssten die Flächen zunächst verkauft werden. Erzwingen kann der Senat den Verkauf mit der erlassenen Verordnung allerdings nicht. Sollte der Kaufpreis jedoch deutlich über dem Verkehrswert liegen, ist das Land berechtigt, in den Kaufvertrag einzutreten und nur den Verkehrswert zu zahlen.
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