Monsanto schreibt wieder schwarze Zahlen
Streit um Glyphosat in Europa geht in neue Runde
St. Louis. Während sich Bayers milliardenteurer Monsanto-Kauf hinzieht, gerät das Übernahmeziel stärker in die Kritik. Im Streit um das Totalherbizid Glyphosat wird der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit vorgeworfen, in ihrer Bewertung die Argumentation des Herstellers übernommen zu haben. Lobbisten des Agrarkonzerns wurde kürzlich der Hausausweis entzogen, nachdem sie sich geweigert hatten, zu einer Anhörung zu erscheinen.
Nun hat das federführende Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Anhörung des Agrar- und des Umweltausschusses abgesagt. Laut der Grünen/EFA-Fraktion begründet das BfR seine Ansage damit, man habe mit den »Monsanto-Papers nichts zu tun«. Martin Häusling (Grüne) warf dem BfR »wenig Realitätssinn« vor: »Immerhin geht es hier um den Verdacht, Monsanto habe in Studien eingegriffen, woraufhin das Parlament eine Anhörung angesetzt hatte. Diese Lücke hätte das BfR füllen können.« Das BfR schreibt, es sei in der EU »üblich und anerkannt, dass Bewertungsbehörden nach kritischer Prüfung auch relevante Passagen aus eingereichten Dokumenten in ihre Bewertungsberichte integrieren«. Glyphosat steht vor einer Verlängerung in der EU.
Auch in den USA hat Monsanto Probleme. Dort laufen nicht nur Klagen von Krebspatienten wegen des Verdachts, dass Glyphosat als Bestandteil von »Roundup« für ihre Krankheit verantwortlich ist. Auch das Monsanto-Herbizid »Dicamba« ist Anlass für Gerichtsprozesse. Es wird vor allem eingesetzt, weil Pflanzen eine Resistenz gegen »Roundup« entwickelt haben. »Dicamba« tötet alle Pflanzen eines Ackers, die nicht aus genetisch modifizierter Saat von Monsanto stammen. Dabei gerät das Pflanzengift auch auf Felder, die nicht resistent sind. Laut Recherchen der Universität Missouri sind landesweit über eine Million Hektar Sojabohnen-Felder durch Verwehungen mit »Dicamba« verseucht. Zahlreiche Bauern fordern nun Schadenersatz.
Derweil verkündete Monsanto am Mittwoch Quartalszahlen. Bis Ende August wurde ein Überschuss von 20 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) erzielt. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 191 Millionen Dollar angefallen. dpa/nd
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft
Das »nd« bleibt gefährdet
Mit deiner Hilfe hat sich das »nd« zukunftsfähig aufgestellt. Dafür sagen wir danke. Und trotzdem haben wir schlechte Nachrichten. In Zeiten wie diesen bleibt eine linke Zeitung wie unsere gefährdet. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung nach oben zeigt, besteht eine niedrige, sechsstellige Lücke zum Jahresende. Dein Beitrag ermöglicht uns zu recherchieren, zu schreiben und zu publizieren. Zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.