Geschäfte mit Elefanten in Thailand

Tausende Tiere arbeiten in der Tourismusindustrie

  • Mathias Peer, Bangkok
  • Lesedauer: 2 Min.

Zum Soundtrack von »Star Wars« starten die Elefanten ihre Tricks: Erst schleudern sie mit dem Rüssel Dartpfeile auf Luftballons. In der Pause können Besucher der 2000 Gäste fassenden Elefantenarena im thailändischen Pattaya für ein Foto Klimmzüge an den Stoßzähnen machen. Die Schweizerin Claudia Schaad beobachtet die Szenerie: »Natürlich fragt man sich, ob das mit Blick auf den Tierschutz vertretbar ist.«

Tierschutzorganisationen wie Peta und World Animal Protection (WAP) prangern Elefantenshows und Reitangebote als Tierquälerei an. Sie haben große Teile der Reiseindustrie auf ihre Seite gebracht. Über 100 Reiseveranstalter, so Thomas Cook und TUI, erklärten, Elefantenshows aus ihren Katalogen zu streichen. Kritiker klagen: Die gut gemeinten Aktionen drohen den Tieren mehr zu schaden als zu nutzen. Denn alle Elefanten in die Wildnis zu entlassen, ist unmöglich. Es gibt nicht mehr genug unberührte Regenwälder. Auch würden sich die oft in Gefangenschaft aufgewachsenen Tiere darin nicht zurechtfinden. Über 2000 Elefanten sind in Thailands Tourismusindustrie im Einsatz - so viele wie in keinem anderen Land. »Wir brauchen den Tourismus, damit es Leute gibt, die sich um die Elefanten kümmern«, sagt Elefantenforscher Richard Lair. »Das Wohlergehen der Elefanten ist inzwischen abhängig davon, wie viele Urlauber nach Thailand kommen.«

WAP-Aktivisten wollen Elefantenreiten und -shows sofort stoppen. Sie streben Anlagen an, die nicht gewinnorientiert arbeiten, keinen Direktkontakt zwischen Besuchern und Elefanten erlauben und den Tieren eine Umgebung bieten, die den Verhältnissen in der Wildnis nahekommt: Die Tiere sollen in Schutzzentren genug Platz haben, sich natürlich zu bewegen und in sozialen Gruppen zu leben. Mit den Zentren gibt es in der Praxis jedoch Probleme: Schon jetzt beklagen Experten massiven Etikettenschwindel. Für Touristen ist es unmöglich festzustellen, ob die Anlagen den Tieren tatsächlich gute Lebensverhältnisse bieten.

Die Niederländerin Carmen Rademaker ist eine der Gründerinnen der Asian Captive Elephant Working Group, die für bessere Lebensbedingungen von Elefanten in Gefangenschaft eintritt. Dass Tierschutzorganisationen zum Boykott herkömmlicher Touristenattraktionen wie Elefantenreiten aufrufen und große Teile der westlichen Reiseindustrie dem gefolgt sind, bezeichnet sie als »ignorant und gefährlich«. Denn betroffen seien Elefantenlager unabhängig davon, ob sie den Tieren relativ hohe oder relativ niedrige Standards bieten. Am Ende müssen die hochwertigeren Lager schließen, die sich an tierschutzbewusste Europäer wenden.

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