• Kommentare
  • Koalitionsgespräche und das Thema Abschiebung

Jamaika mit der AfD

Laut einer »Bild«-Kampagne ist die Kriminalität von Asylbewerbern »eines der wichtigsten Probleme« im Land

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.

Als die Bundesregierung 2015 die Grenzen öffnen ließ, um Armuts- und Kriegsflüchtlingen die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen, titelte ein deutsches Boulevard-Blatt: »BILD heißt Flüchtlinge willkommen!« Knapp zwei Jahre später startete nun das gleiche Blatt, das eine Zeitung zu nennen der journalistische Anstand verbietet, eine andere Kampagne: »Abschiebe-Versagen - Frau Merkel, erklären Sie die Abschiebung von ausreisepflichtigen Kriminellen jetzt zur Chefsache!«.

So schnell kann der dünne Lack der Menschlichkeit abblättern, den sich vor zwei Jahren viele Medien und viele Politiker aus Gründen der Opportunität aufgetragen hatten. Die AfD kann sich freuen, sie kann mit Hilfe der »Bild« die anderen Parteien vor sich hertreiben. Sie sitzt faktisch bei den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition mit am Tisch, denn dort ist die Kriminalität von Asylbewerbern »eines der wichtigsten Probleme«, unterstellt und fordert »Bild« zugleich.

In der Tendenz sinkt die Kriminalitätsbelastung seit Jahren und der Anteil von Flüchtlingen in der Statistik ist derart marginal, dass man das Thema getrost den Strafverfolgungsbehörden und den Sozialarbeitern überlassen kann; es reicht, sie mit dem nötigen Personal und Geld auszustatten. Nur zur Erinnerung: Der Anteil der von Armut betroffenen älteren Menschen ist zwischen 2006 und 2015 von 18 auf fast 21 Prozent (sechs Millionen!) gestiegen. Eine »Petition« der »Bild« an Merkel zur Bekämpfung der Altersarmut gibt es aber nicht.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.