Hoffen auf den Staatssekretär

Kuratorium der Freien Universität debattiert über Beschäftigte des Botanischen Gartens

  • Wladek Flakin
  • Lesedauer: 3 Min.

»Unsere letzte Hoffnung ist Steffen Krach.« Die meisten Berliner werden den Namen des sozialdemokratischen Jungpolitikers nicht kennen. Aber die Beschäftigten des Botanischen Gartens achten zur Zeit sehr genau auf die Worte des Staatssekretärs für Wissenschaft und Forschung. Am heutigen Freitag trifft sich das Kuratorium, eine Art Aufsichtsrat, der Freien Universität Berlin (FU). Staatssekretär Krach wird den regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Gremium vertreten. Die Tagesordnung klingt nach bürokratischer Routine - »Feststellung des Haushaltsplans« -, aber es geht um Grundsatzfragen der prekären Beschäftigung in Verantwortung des Landes Berlin.

Zum 1. Januar wird die »Betriebsgesellschaft für den Botanischer Garten und Botanisches Museum« in die Freie Universität eingegliedert. Die rund 70 Beschäftigten haben zehn Jahre lang für diese 100-prozentige Tochterfirma gearbeitet - teilweise für 40 Prozent weniger Geld als ihre Kollegen in der Stammbelegschaft. Beim geplanten Betriebsübergang will die Freie Universität die Belegschaft nun spalten. Die neun Techniker sollen im Gegensatz zum Besucher- und Gartenservice aus der Belegschaft herausgelöst und in die zentrale Technikabteilung der Hochschule - mehrere Kilometer entfernt - integriert werden. Nicht nur die Beschäftigten sind empört: Dieser Streit war in den vergangenen Monaten immer wieder Thema im Berliner Abgeordnetenhaus und im Senat.

Die Konfliktparteien liegen so sehr im Clinch, dass die letzte Verhandlung zum Interessensausgleich - für vergangenen Freitag angesetzt - gar nicht stattfinden konnte. Die FU wollte keine Vertreterin der Gewerkschaft ver.di dabei haben. Die Hochschulleitung beharrt auf ihre Sicht, dass der Arbeitsort der Techniker eine rein unternehmerische Entscheidung - ohne Mitbestimmung - sei.

Das sehen die Kollegen anders: Nicht nur alle neun Techniker haben sich für ihren Verbleib am bisherigen Arbeitsplatz ausgesprochen. Auch eine komplette Betriebsversammlung Anfang November stimmte dafür, ähnlich wie verschiedene Personalräte und gewerkschaftliche Strukturen an der Uni. Das hat auch einen finanziellen Aspekt: Der Senat hat zusätzliche finanzielle Mittel für die FU bereitgestellt, damit die Löhne auf Tarifniveau angehoben werden. Das gilt aber dem Anwalt des Betriebsrats zufolge nur für das Personal im Garten. Sollte die FU die Techniker in anderen Bereichen einsetzen, wäre das eine unzulässige Querfinanzierung.

Auch der Senat hatte sich indirekt für den Erhalt der bisherigen Belegschaft ausgesprochen. Ende November sagte Krach im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses: »Wir werden darauf achten, dass die Techniker überwiegend im Botanischen Garten tätig sein werden«. Die Frage wird sein, ob Steffen Krach sich gegen die Leitung der FU durchsetzen kann.

Das Problem stellt sich momentan an vielen Stellen in der Hauptstadt. Vor zehn Jahren haben zahlreiche öffentliche Unternehmen Outsourcing betrieben - damals unter einem rot-roten Senat. Mit dem Amtsantritt von Rot-Rot-Grün versprach Michael Müller, die Tarifflucht zu beenden und Firmen wie die »Charité Facility Management« (CFM) wieder in das Mutterunternehmen einzugliedern.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.