Werbung

Brandenburg – es könnte so einfach sein

Die Werbung wirkt: Fast jeder zweite Berliner kann sich vorstellen, ins Nachbarland umzuziehen

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.
Schön wohnen und im September schön den Brandenburg-Tag feiern: in Perleberg am Ufer der Stepenitz
Schön wohnen und im September schön den Brandenburg-Tag feiern: in Perleberg am Ufer der Stepenitz

Das Werbefilmchen zeigt erst Szenen von Lärm, Stress und Enge der Großstadt und dann herrliche Natur, einen idyllischen See. Dem Zuschauer wird gesagt: »Brandenburg, es kann so einfach sein!« Die Botschaft an die Berliner: Hier ist es so viel schöner, kommt doch her! Auch Postkarten zeigen einen idyllischen See, natürlich mit Schilfgürtel, und die Ufer hinten gesäumt von bewaldeten Hügeln. Aufgedruckt der Satz: »Schön, wenn man da zu Hause ist, wo andere nur am Wochenende hinkönnen.«

Mit solchen Tricks und Kniffen versucht das Landesmarketing seit nunmehr sieben Jahren, das Image von Brandenburg aufzupolieren. Die Werbung wirkt offebar. Sie hat zumindest dazu beigetragen, dass sich inzwischen 47 Prozent der Berliner vorstellen können, zeitweise oder langfristig in Brandenburg zu leben, weil es sich da gut wohnen lasse. Vor sieben Jahren hätten nur 39 Prozent in Erwägung gezogen, für eine Weile nach Brandenburg zu ziehen, und nur 37 Prozent war es eine Überlegung wert, für immer dort zu bleiben.

Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage vom November 2024, die am Mittwoch in der Potsdamer Staatskanzlei vorgestellt wurde. 1601 Menschen wurden befragt, darunter 200 Berliner, 304 Brandenburger, 260 Personen aus den anderen ostdeutschen Ländern, 837 Westdeutsche und 101 Studierende.

Um Kommentare zur Werbekampagne gebeten, hat ein Brandenburger erklärt: »Das ist die gelungenste und authentischste Werbekampagne, die ich je für ein Bundesland gesehen habe.« Vorreiter beim Landesmarketing war in den 90er Jahren Baden-Württemberg mit selbstironischen Fernsehspots, die mit der Ansage endeten: »Wir können alles – außer Hochdeutsch!«

Mit 8,5 Millionen Euro im Jahr für seine Eigenwerbung sei Baden-Württemberg einst gestartet und gebe inzwischen deutlich mehr dafür aus, erzählt Thomas Braune, der jahrelang für das Brandenburger Landesmarketing verantwortlich zeichnete, aber am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet wird. Berlin lasse sich sein Marketing jährlich fünf Millionen Euro kosten, rechnet Braune vor. Da muss Brandenburg mit zuletzt 800 000 Euro viel kleinere Brötchen backen. Immerhin dürfen es laut Entwurf des noch nicht beschlossenen Doppelhaushalts im laufenden und im kommenden Jahr jeweils eine Million Euro sein. 71 Prozent aller Befragten haben angegeben, die Kampagne spreche sie an. 58 Prozent der Berliner finden Brandenburg sympathisch oder sogar sehr sympathisch. 2017 sagten das bei einer anderen Umfrage nur 52 Prozent der Berliner. Bei den Ostdeutschen konnte der Sympathiewert von 36 auf 53 Prozent gesteigert werden, bei den Westdeutschen von sehr bescheidenen 18 Prozent auf jetzt wenigstens 23 Prozent.

»Das sind erdrutschartige Veränderungen, die wir hier erzielt haben, und das macht Freude«, schwärmt Thomas Braune. Oder bescheidener ausgedrückt: »Wir können uns ein bisschen auf die Schulter klopfen.«

Früher sei von Brandenburg nicht viel mehr bekannt gewesen, als dass man da durch müsse, wenn man nach Berlin wolle, sagt Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD). Das sei mit dem Landesmarketing anders geworden, wobei Keller einräumt, dass es auch an anderen Faktoren liege. Die Ansiedlung der Tesla-Autofabrik in Grünheide hat bundesweit Schlagzeilen und Brandenburg bekannt gemacht. Und während der Corona-Pandemie entdeckten Urlauber das Reiseland Brandenburg, als sie nicht wie sonst auf die beliebten Inseln im Mittelmeer fliegen konnten oder wollten.

Aber woran auch immer es gelegen hat: »Wer an Brandenburg denkt, denkt mittlerweile nicht mehr nur an grüne und wasserreiche Landschaften, sondern eben auch an eine hohe Lebensqualität und an moderne Unternehmen«, sagt Wirtschaftsminister Keller. Die Umfrage zeige: »Wir sind auf dem richtigen Weg.«

Eine Gelegenheit für Berliner, ein Stück des sehr weit entfernten Umlandes zu erkunden, bietet sich vom 12. bis 14. September. Dann wird hoch oben in der Prignitz in der historischen Altstadt und im Tierpark von Perleberg das traditionelle Landesfest gefeiert – der Brandenburg-Tag. Die Gassen der Innenstadt werden für den Autoverkehr gesperrt. Aber es wird Shuttlebusse von drei extra eingerichteten Großparkplätzen an den Zufahrten geben. Außerdem fährt vom Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen der Regionalexpress RE6 nach Perleberg. Die andere Bahnverbindung über Wittenberge fällt aus, weil ab Sommer wegen einer Generalsanierung die Strecke Berlin-Hamburg komplett gesperrt wird. Doch bei der Vergabe des Brandenburg-Tags war dies bereits bekannt. Dennoch wurde Perleberg der Zuschlag erteilt, obwohl es auch vier andere Bewerber gegeben habe, erläutert Thomas Braune. Das Konzept von Perleberg für die Ausrichtung des Landesfestes habe überzeugt.

400 Künstler werden auf sieben verschiedenen Bühnen auftreten, kündigt Bürgermeister Axel Schmidt (parteilos) an, darunter Karat und Dagmar Frederic sowie ein Orchester aus dem rumänischen Siebenbürgen, wohin der Landkreis Prignitz partnerschaftliche Beziehungen unterhält. Von Freitagabend bis Sonntag wird Musik gespielt, auf einer Bühne außerhalb des Zentrums extra für die Jugend auch noch über ein Uhr nachts hinaus. 360 000 Euro spendiere das Land, 360 000 Euro bringt die Stadt selbst auf und mit Sponsorengeldern komme man auf ein Budget von an die eine Million Euro, erklärt der Bürgermeister.

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