- Kommentare
- Repressionen in der Türkei
Deutsche Schützenhilfe für Erdogan
Sebastian Bähr über Berlins Unterstützung für ein autokratisches Regime
Türkische Truppen sammeln sich an der Grenze zum nordsyrischen Rojava, ein Großangriff auf eines der fortschrittlichsten politischen Projekte im Nahen Osten steht unmittelbar bevor. Um seine bereits mehrfach angekündigten Invasionspläne in die Tat umzusetzen, wird Erdogan zumindest das passive Einverständnis von Russland und den USA benötigen - dass er dieses auch wirklich bekommt, ist bisher noch nicht gesagt. Auf eines kann der türkische Präsident sich allerdings verlassen: Schützenhilfe aus Deutschland.
Diese zeigt sich auf mehreren Ebenen. So verwendet das türkische Militär Leopard-Panzer und Haubitzen aus deutscher Produktion. Die Aufrüstung des autokratischen AKP-Regimes wird selbst jetzt noch fortgesetzt, eine Panzerfabrik von Rheinmetall befindet sich nach Medienrecherchen trotz gegenteiliger Verlautbarungen weiterhin in Bau. Außenminister Sigmar Gabriel bietet ganz offen Waffenlieferungen gegen die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel an, auch wenn er zwischenzeitlich zurückrudert. Dazu kriminalisiert die Bundesregierung verstärkt die kurdische Gemeinde in Deutschland, sei es über rasant gestiegene PKK-Verfahren oder Bestrafungen für das öffentliche Zeigen von YPG- und Öcalan-Bildern.
Berlins Verhalten ist angesichts der nach wie vor in der Türkei Inhaftierten nicht nur beschämend; die Bundesregierung und die deutsche Rüstungsindustrie tragen damit auch eine Mitverantwortung für Ankaras Taten.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.