Sierra Leone alleine gelassen
Alexander Isele über die Nachfolgen der Ebola-Epidemie
Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe: Fast zwei Jahre nach der Ebola-Epidemie sind deren Nachwirkungen in Sierra Leone noch immer einschneidend. 11 000 Menschen starben dort an dem Virus, die Wirtschaft brach um ein Viertel ein, der UN-Index listet das Land inzwischen unter den zehn ärmsten der Welt. Viele der Helfer - über 200 starben an einer Infektion - fühlen sich im Stich gelassen und warten noch immer auf die versprochene Unterstützung. Geber und internationale Organisationen beklagen, dass bis zu einem Drittel ihrer Mittel nicht bei der Ebola-Bekämpfung ankamen.
Nun soll in Sierra Leone mit den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am Mittwoch ein neues Kapitel aufschlagen werden. Dass das allerdings der neue Präsident alleine schaffen kann, ist zu bezweifeln. Das Beispiel der Familienplanung zeigt die Abhängigkeit des Landes von internationaler Zusammenarbeit. In Folge des Ebola-Ausbruchs 2014 wurden alle Gelder, die für die Familienberatung vorgesehen waren, für die Epidemiebekämpfung genutzt. Die Konsequenz: Es gibt so viele Teenager-Schwangerschaften wie noch nie, gleichzeitig sterben so viele Mütter bei der Geburt wie kaum woanders in der Welt.
Die Entscheidung von Donald Trump, kein Geld mehr an den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zu überweisen, ist damit hochgefährlich. Aus ihm stammen ein Großteil der Mittel der Familienberatung. Bei den UN wird nun auf die Skandinavischen Länder gehofft, dass sie die Lücke schließen. Gleichzeitig wackelt mit dem Brexit der nächste Großeinzahler. Sierra Leone bleibt auch nach der Ebola-Epidemie auf sich alleine gestellt.
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