Werbung

Noch lange nicht genug

Sebastian Bähr über die neuen Ermittler im Fall Oury Jalloh

  • Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 1 Min.

Seit ein paar Monaten kommen immer wieder neue Details über die Vertuschungsversuche im Fall Oury Jalloh an die Öffentlichkeit. Sachsen-Anhalts Regierung steht unter Zugzwang. Nun kündigte sie an, zwei Sonderermittler einzusetzen, um den Tod des vor 13 Jahren in einer Dessauer Polizeizelle verbrannten Flüchtlings zu untersuchen. Beide gelten als unabhängige Experten. Ihr Erfolg wird stark von dem offiziellen Arbeitsauftrag, ihren Befugnissen und der Kontrolle wie Kooperationsbereitschaft manch mindestens unwilliger Behörde abhängen.

Im besten Fall können die Ermittler zur Aufklärung beitragen. Doch um einen der größten Polizeiskandale der deutschen Nachkriegszeit aufzuarbeiten, ist mehr nötig. Die Generalstaatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt hatte offenbar Abgeordnete angelogen, Akten zu ungeklärten Todesfällen bei der Polizei wurden vernichtet. 13 Jahre hielt man bis in höchste Kreise an der Selbstverbrennungsthese fest, obwohl Gutachten seit Langem und nun auch ein Staatsanwalt dies in Frage stellen.

Als klar wurde, dass die sächsischen Behörden unwillig oder unfähig sind, den Naziterror der »Gruppe Freital« als solchen zu erkennen, hatte die Generalbundesstaatsanwaltschaft das Verfahren an sich gezogen - dieser Schritt ist längst im Fall Jalloh von Nöten. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss müsste sich zudem der politischen Aufarbeitung des institutionellen Komplettversagens widmen - und dem Rassismus. In Anbetracht der Widerstände keine leichte Aufgabe.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -