Aus für Cambridge Analytica
Umstrittene Datenanalysefirma und ihre Dachgesellschaft melden Insolvenz an
New York. Die wegen des Facebook-Skandals umstrittene Datenanalysefirma Cambridge Analytica ist insolvent. Cambridge Analytica und deren britische Dachgesellschaft SCL Group hätten Insolvenz beantragt, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. Die Medienberichte über die Firma hätten in den vergangenen Wochen praktisch alle Kunden vertrieben, hieß es zur Begründung. Die finanzielle Lage sei »prekär«. Es habe sich gezeigt, dass das Geschäftsmodell nicht länger »rentabel« sei. Als Grund nannte das Unternehmen »unbegründete Anschuldigungen«. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, sollen »unverzüglich alle Tätigkeiten« in Großbritannien und den USA beendet werden. Auch in den USA werde in Kürze Insolvenzantrag gestellt.
Cambridge Analytica hatte von einem Cambridge-Professor Daten von Millionen Facebook-Nutzern erhalten, die er über eine Umfragen-App gesammelt hatte. Dabei hatten aber nur einige hunderttausend Nutzer an der Umfrage teilgenommen. Die restlichen Informationen stammten von Facebook-Freunden der Umfrageteilnehmer, zu deren persönlichen Daten die App nach damaliger Funktionsweise des Onlinenetzwerks auch Zugang hatte.
Unklar bleibt allerdings, was aus den bei Cambridge Analytica entwickelten Algorithmen und den daraus gewonnenen Persönlichkeitsprofilen wird, die auch auf der Basis der Daten von über 87 Millionen Facebook-Anwendern gewonnen wurden. Der US-amerikanische Fernsehsender NBC berichtete kürzlich, die Cambridge-Analytica-Investorin Rebekah Mercer und diverse Topmanager des Unternehmens seien bereits kurz vor Ausbruch des Skandals bei einer neuen Datenanalysefirma mit dem Namen Emerdata an Bord gegangen. Darunter sei der Technologiechef von Cambridge Analytica, Alexander Tayler. Die Firma sei in New York an derselben Adresse wie die dortige Filiale von Cambridge Analytica angemeldet worden.
Rebekah Mercer leitet die konservative Mercer-Familien-Stiftung. Zusammen mit ihrem Vater, dem Milliardär Robert Mercer, gehörte sie zu den einflussreichsten Unterstützern des heutigen US-Präsidenten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016.
Für Facebook entwickelte sich die Datenaffäre zu einem PR-Debakel. Das Netzwerk hatte die Schlupflöcher bereits 2014 dichtgemacht und die Weitergabe der Daten durch den Professor als »Vertrauensbruch« bezeichnet. Dennoch stürzte der Fall auch Facebook in eine Krise und brachte das weltgrößte Onlinenetzwerk unter anderem dazu, den Zugang von Softwareentwicklern zu Nutzerinformationen einzuschränken. Nach Einschätzung von Facebook könnten Daten von bis zu 87 Millionen Mitgliedern weltweit betroffen sein. Cambridge Analytica erklärte indessen, Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten zu haben.
Das in Verruf geratene Unternehmen hatte im Zuge des Skandals zunächst Firmenchef Alexander Nix beurlaubt, nachdem er vor der versteckten Kamera eines Journalisten mit Methoden wie der Erpressung von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Nix sagte später zu seiner Verteidigung, er habe nur bei der Unterhaltung »mitgespielt«.
Die Firma hatte im Wahlkampf um das US-Präsidentenamt für das Team von Donald Trump gearbeitet, behauptet aber, dabei seien keine Daten von Facebook verwendet worden. Manager von Cambridge Analytica ließen zugleich immer wieder durchblicken, ihre Hilfe bei der gezielten Wähleransprache im Internet habe zu Trumps Wahlsieg beigetragen. Zudem könnten auch für eine Pro-Brexit-Kampagne Kundendaten von britischen Bürgern in großem Umfang missbraucht worden sein.
Am Mittwoch bekräftigte Cambridge Analytica nochmals, das Unternehmen habe im Rahmen geltender Gesetze gehandelt. Die Vorwürfe seien falsch. Agenturen/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.