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Chiles Präsident entlässt Polizeichef nach Mord an Mapuche
Polizist erschießt 24-jährigen Indigenen/ Präsident Sebastián Piñera entlässt Polizeiführung nach Protesten
Frankfurt a.M./Santiago de Chile. Chiles Präsident Sebastián Piñera hat die Polizeiführung entlassen. Grund waren wiederholte Proteste der indigenen Bevölkerung, nachdem ein Polizist den 24-jährigen unbewaffneten Mapuche Camilo Catrillanca am 14. November 2018 erschossen hatte. Sowohl Polizeichef Hermes Soto als auch weitere zehn hochrangige Angehörige der Behördenleitung werden ihrer Ämter enthoben.
Die Spezialeinheit »Dschungelkommando« (Comando Jungla) hatte bei dem Einsatz vor fünf Wochen drei Verdächtigte verfolgt, die mehrere Menschen überfallen und drei Autos geraubt haben sollen. Dabei war der junge Angehörige der indigenen Bevölkerungsgruppe der Mapuche erschossen worden. Lokalen Medien zufolge hatte er nichts mit dem Überfall zu tun, er war lediglich auf dem Rückweg von der Feldarbeit. Die Polizisten sagten, sie hätten aus Notwehr reagiert, aber Catrillanca war nicht bewaffnet, wie veröffentlichte Videos belegen.
Der Vater des Opfers, Marcelo Catrillanca, hat gemeinsam mit Organisationen und Führer*innen der Mapuche für Freitag Vormittag zu einer Demonstration aufgerufen. »Ich habe das schreckliche Video gesehen, in dem die Polizisten meinen Sohn töten«, schreibt Catrillanca in einer öffentlichen Erklärung. »Ich fühle mich überwältigt und entrüstet«. Der Protest in der südchilenischen Stadt Temuco richtet sich, den Organisator*innen zufolge, gegen die »Polizeistrategie der Militarisierung« seit der »Invastion des Mapuche-Territoriums durch das chilenische Militär« und seit dem »Genozid gegen das Volk der Mapuche«.
Der rechte Präsident und Milliardär Piñera räumte ein, dass es innerhalb der Polizei zu Verschleierungen und Verbreitung von Lügen gekommen sei. Eine kleine Gruppe habe »eine schwere Krise der Glaubwürdigkeit, Rechtschaffenheit und Wirksamkeit« der Polizei herbeigeführt. Deshalb sei ein Neuanfang notwendig. Piñera versicherte zugleich, dass die Regierung in den vergangenen Wochen alles getan habe, um die Wahrheit und die Verantwortlichen für den Tod des Mapuche herauszufinden.
Nach dem Mord an Camilo Catrillanca hatte es in vielen Teilen des Landes Proteste gegeben, insbesondere in der Hauptstadt Santiago und in der Region der Araucanía, wo ein Großteil der Mapuche lebt. Piñera regierte, indem er mehr Militär und Polizei in die Region entsandte. Die Polizei setzte bei den Demonstrationen Wasserwerfer ein und schoss mit Tränengaskartuschen.
Der Mord verschärft den seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt in der Region der Araucanía, die zu den ärmsten des Landes gehört. Die indigene Minderheit kämpft für kulturelle und politische Selbstbestimmung und für Landrechte auf dem Territorium, das 1883 durch den chilenischen Staat annektiert wurde. Die chilenische Regierung, so wie transnationale Unternehmen betreiben in der Region vor allem Forstplantagen und infrastrukturelle Großbauprojekte wie Staudämme, die zu weiterer Verdrängung der Mapuche beitragen. epd/nd
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