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Frauenquote ist nicht lachhaft
Andreas Fritsche amüsiert sich über Argumente gegen Parität
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Dies hat die AfD-Landtagsabgeordnete Birgit Bessin nicht beherzigt, als sie sich am Mittwoch über eine geplante gesetzliche Frauenquote bei Landtagswahlen in Brandenburg beschwerte. Bessin erklärte, wenn sie sich die Abgeordneten der »Altparteien« ansehe, könne sie nur lächeln. »Da scheint schon häufiger mehr die Quote als die Qualität eine Rolle gespielt zu haben.« Die AfD werde eine Quote niemals akzeptieren. Es müsse den Frauen überlassen bleiben, »ob sie ihre Rolle als Hausfrau und Mutter definieren, ob sie sich für einen Beruf und eine Karriere entscheiden oder auch für ein politisches Mandat«, sagte Bessin.
Nun kann man nicht umhin, diese Äußerungen zu belächeln. Zunächst einmal, weil die Abgeordnete Bessin mit dem, was sie als parlamentarische Arbeit bislang ablieferte, selbst unfreiwillig den Eindruck erweckte, sie sei von der AfD einst nur deshalb nominiert worden, damit diese Altherrenpartei wenigstens eine jüngere Frau aufbieten kann. Außerdem ist es so, dass Frauen gegenwärtig nicht allein entscheiden können, ob sie Karriere machen, beispielsweise auch als Politikerin. Denn sie werden im Berufsleben benachteiligt. Aber wer sich als Frau in der AfD wie Bessin zur Sache äußert, wird von den alten Männern beklatscht und auf die Landesliste gewählt. Frau Bessin weiß das. Unfähig wirkt sie. Aber dumm ist sie nicht.
Zum Schmunzeln verleitet auch, dass die Piraten eine Klage gegen das Reißverschlussprinzip androhten. Scheint dies doch das Vorurteil zu bestätigen, dass die Piratenpartei vornehmlich aus männlichen Computerfreaks besteht und ein erhebliches Problem mit einer Frauenquote hätte. Es ist aber kein Vorurteil! Rund 85 Prozent der Piraten seien Männer, bestätigt die Ex-Landesvorsitzende Anke Domscheit-Berg. Der innerparteiliche Umgang mit Frauen war einer der Gründe, warum sie die Piraten verließ und bei der Bundestagswahl 2017 für die LINKE kandidierte.
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