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Der Wunderheiler
Ulrike Henning über einen Minister mit zweifelhaftem Geltungsbedürfnis
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn meinte Ende letzter Woche, positive Nachrichten aus der Onkologie verkünden zu müssen. Es gebe »gute Chancen, dass wir in zehn bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben«, prophezeite der CDU-Politiker in einem Zeitungsinterview. Der medizinische Fortschritt sei immens, die Forschung vielversprechend. Prompt schlug dem Optimisten die geballte Skepsis aus medizinischer Fachwelt und Politik entgegen.
Die Krebsarten seien zu unterschiedlich, mehr als die Hälfte der Fälle sei nicht einmal bei optimaler Vorbeugung zu verhindern. Bei manchen Tumoren gebe es bessere, bei anderen immer noch nur sehr geringe Heilungschancen. Schon früher habe es etwa in den USA ähnliche Aussagen wie die Spahns gegeben, die aber eher politisch motiviert als wissenschaftlich begründet waren, hieß es mahnend.
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Fehlt dem Minister hier wirklich die Sachkunde? Das darf bezweifelt werden. Ihm sind allerdings in den letzten Monaten nicht viele seiner politischen Vorstöße gelungen, CDU-Vorsitzender wurde er jedenfalls nicht. In der Gesundheitspolitik muss er liefern, und der gelernte Bankkaufmann hat begriffen, dass schnelle Erfolge hier unwahrscheinlich sind. Offenbar kann er sich damit nicht abfinden und möchte trotzdem und vor allem eins: im Gespräch bleiben.
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