Auf schwerem Terrain bei Visegrád-Gruppe

Merkel verhandelt in Bratislava über Flüchtlingspolitik, Nordsee-Pipeline und Brexit-Fragen

  • Roland Etzel
  • Lesedauer: 2 Min.

Neben Gastgeber Slowakei gehören Polen, die Tschechische Republik und Ungarn zur sogenannten Visegrád-Gruppe, benannt nach einer ungarischen Stadt an der Donau. Die Gruppe versteht sich als informelles Forum der vier osteuropäischen EU-Mitglieder mit der Absicht, gemeinsam ihre Interessen gegenüber den traditionellen EU-Schwergewichten wirksamer artikulieren zu können. Und dies taten sie in der jüngsten Vergangenheit zum Verdruss insbesondere der Bundesregierung immer häufiger.

Beim Treffen am Donnerstag in Bratislava war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dabei; offiziell, um sich »für den Beitrag der politischen Wende in diesen Ländern zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands« zu bedanken. Tatsächlich dürfte der Ton der Gespräche mit Gastgeber und Amtskollege Peter Pellegrini und den anderen Vertretern durchaus robuster ausfallen.

Die Visegrád-Staaten sind explizite Gegner der Merkel’schen Flüchtlingspolitik und weigern sich beharrlich, Migranten aus Afrika und Asien nach einem von der EU vorgegebenen Verteilungsschlüssel aufzunehmen. Auch deshalb wurde ein vergleichsweise weniger bedeutendes Entwicklungsprojekt in Marokko zur Bekämpfung von Fluchtursachen am Donnerstag als Erfolg gemeinsamen Handelns verkauft. Deutschland und die vier Visegrád-Staaten, so hieß es laut dpa in Bratislava, wollten so illegale Migration eindämmen helfen.

Ein weiteres Thema ist der Brexit. Hier geht der Blick speziell von Polen eher hilfesuchend als widersprechend nach Berlin, gibt es doch besonders viele polnische Arbeitskräfte im Noch-EU-Staat Großbritannien, deren Status nach einem ungeordneten Austritt in den Sternen steht.

Um so kontroverser dürfte es beim Thema Nord Stream 2 zugehen. Alle vier osteuropäischen Staaten sind erklärte Gegner der deutsch-russischen Pipeline durch die Ostsee, die Ende dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen soll. Vor allem Polen, in früheren Jahren ein Störfaktor, der mit der Pipeline umgangen wird, versucht beharrlich, die Leitung auszuhebeln und macht sich diesbezüglich noch Hoffnungen. Es dürfte kein Zufall sein, dass ausgerechnet während des Visegrád-Treffens aus Paris die Kunde kam, Frankreich unterstütze Deutschland bei dem Pipeline-Projekt innerhalb der EU nicht mehr. Merkel tat dies mit der Bemerkung ab, es sei nichts Neues, dass es hierzu unterschiedliche Meinungen gebe.

Auch die Opposition scheint um gute Ratschläge verlegen. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner etwa glänzte laut dpa mit der wenig hilfreichen Bemerkung, die Kanzlerin möge doch mehr auf die Belange der östlichen EU-Partner eingehen - um dann nachzuschieben, Rabatt bei Rechtsstaatlichkeit und Liberalität könne es aber nicht geben.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.