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Weihnachten ist jeden Tag
Marie Frank wünscht sich Solidarität das ganze Jahr über
Alle Jahre wieder, pünktlich zur Weihnachtszeit, entdecken die Menschen für kurze Zeit ihre Nächstenliebe wieder. Prominente veranstalten medienwirksame Obdachlosen-Dinner und Otto Normalbürger spendet ausnahmsweise mal einen Taler an den bettelnden Straßenmusiker in der U8, den er den Rest des Jahres geflissentlich übersieht.
Beim Thema Obdachlosigkeit reicht es jedoch nicht aus, sich einmal im Jahr durch eine großzügige Geste ein reines Gewissen zu erkaufen. Die Menschen auf der Straße leiden nicht nur an Weihnachten, ihre Probleme beschränken sich auch nicht auf den Winter, auch wenn die Kälte ihnen das Leben zusätzlich erschwert. Obdachlosigkeit bedeutet für die Betroffenen ein Kampf ums Überleben, und zwar jeden einzelnen Tag im Jahr.
Es ist gut, dass soziale Einrichtungen zur Weihnachtszeit besonders viele Spenden erhalten. Viele zehren davon das ganze Jahr. Wer aber wirklich etwas für die Betroffenen tun will, sollte seine Hilfe nicht auf die Feiertage beschränken. Was nicht heißt, dass jede*r ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe arbeiten muss - auch wenn das begrüßenswert wäre. Es fängt schon damit an, dass man den Menschen im Alltag mit Respekt begegnet - auch wenn sie anders aussehen, stinken oder sturzbetrunken sind.
Vor allem aber sollten wir immer solidarisch miteinander sein. Und gar nicht erst zulassen, dass jemand auf der Straße landet. Vielleicht schauen Sie ja bei der nächsten Zwangsräumung mal vorbei - auch wenn sie nicht an Weihnachten stattfindet.
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