Parlament wappnet sich
MEINE SICHT
Das Berliner Abgeordnetenhaus muss arbeitsfähig bleiben - erst recht in so schwierige Zeiten wie der aktuellen Coronakrise. Besonders wichtig ist das Parlament natürlich für die Gesetzgebung, aber auch als Haushaltsgesetzgeber muss es beispielsweise schnell und unbürokratisch Gelder zur Verfügung stellen. So ist es auch vor Kurzem bereits vorbildlich geschehen. Viele Menschen stehen von heute auf morgen ohne Beschäftigung da, sie brauchen zügiges parlamentarisches Handeln.
Eine wirkliche Demokratie ist darauf angewiesen, dass alle drei Gewalten (Legislative, Exekutive und Judikative) funktionieren. Berlins Justizsenator Dirk Behrendt hat am Montag aufgezeigt, dass die Justiz und der Rechtsstaat trotz der Coronakrise handlungsfähig sind. Auch wenn die Gerichte wie große Teile der Stadtgesellschaft ihren Betrieb minimiert haben, werden dennoch Kapitalverbrechen weiter verfolgt.
Eine solche Form des Notbetriebs brauchen selbstverständlich auch der Senat und das Abgeordnetenhaus. Wie schnell die Gesetzgebung lahmgelegt werden könnte, zeigte jüngst die Veranstaltung zu Ehrung der Ehrenbürgerin und Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer. An der Veranstaltung nahm auch der später positiv auf das Coronavirus getestete israelische Botschafter Jeremy Issacharow teil. Kurz wurde befürchtet, dass sich viele Abgeordnete ebenfalls infiziert haben könnten. Glücklicherweise war das nicht der Fall.
Angesichts der Gefahr des Coronavirus in Berlin ist es dennoch richtig, dass sich das Parlament nun für einen solchen Ernstfall wappnet. Auf eine weitgehende Verfassungsänderung für ein Notparlament mit nur wenigen Abgeordneten, wie es im Gespräch war, wird aber zunächst verzichtet. Stattdessen soll der Wissenschaftliche Dienst ein Gutachten mit weniger weitgehenden Vorschläge erarbeiten - auch das ein Zeichen für besonnenes Handeln in der Krise.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.