- Politik
- Juan Guaidó
Guaidós gescheiterte Söldner
Vertrag über Invasion im Auftrag des venezolanischen Oppositionsführers offengelegt / Weitere Verhaftungen
Es geht Schlag auf Schlag. Am Sonntag meldete die venezolanische Regierung die Festnahme elf weiterer Personen, die mutmaßlich direkt mit der sogenannten Operation Gideon (Operación Gedeón) in Zusammenhang stehen. »Wir werden sie alle fassen«, erklärte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bereits am Samstag. Am 3. und 4. Mai hatten Sicherheitskräfte zwei Versuche vereitelt, Söldner an Land zu bringen. Insgesamt befinden sich aufgrund der gescheiterten Aktion nun 45 Personen in Haft, darunter vor allem desertierte venezolanische Soldaten, aber auch die beiden US-Amerikaner Luke Denman und Airan Berry. Acht weitere mutmaßliche Söldner waren am 3. Mai getötet worden.
Als Drahtzieher hinter dem gescheiterten Umsturzversuch sieht Maduro die Regierungen Kolumbiens und der USA. Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó sprach hingegen zunächst von einer Inszenierung der Regierung Maduro und behauptete später, diese habe die Operation Gideon infiltriert, um die Söldner zu massakrieren.
Durch Informationen, die mehrere der involvierten Akteure mittlerweile öffentlich gemacht haben, ist einiges über die Operation Gideon bekannt. Die konkrete Planung oblag offenbar Jordan Goudreau, seines Zeichens Inhaber des US-amerikanischen Sicherheitsunternehmens Silvercorps. Ebenso wie die von ihm angeheuerten Söldner Denman und Berry ist Goudreau ein ehemaliger US-Soldat der als »Green Berets« bekannten Spezialeinheit der US Army. Im Februar vergangenen Jahres hatte er an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze Kontakte mit desertierten Soldaten und dem Guaidó-Lager geknüpft.
Bereits am 3. Mai wandte sich Goudreau an die Medien und behauptete, der venezolanische Oppositionsführer Guaidó habe die Invasion in Auftrag gegeben, am Ende jedoch nicht gezahlt. Als Beweis präsentierte Goudreau einen achtseitigen Vertrag, den Guaidó mutmaßlich als »Präsident Venezuelas« unterschrieben hat. Als weitere Unterzeichner fungieren mit Sergio Vergara und Juan José (JJ) Rendón zwei Berater des venezolanischen Oppositionsführers. In einem Anhang von 41 Seiten, den die »Washington Post« veröffentlichte, sind zahlreiche Details geregelt. Goudreaus Unternehmen Silvercorps werden darin lukrative Folgeaufträge in Venezuela in Aussicht gestellt, sofern der Sturz Maduros gelänge.
-
/ Martin LingAbschiebung: Trump dehnt das RechtMartin Ling über die fragwürdige Abschiebung von Venezolanern nach El Salvador
-
/ Tobias LambertMaduro lässt sich krönenVenezuelas Präsident tritt trotz Wahlbetrugsvorwürfen neue Amtszeit an
-
/ Interview: Ulrich Brand und Kristina Dietz»Ein Wendepunkt bei der Abschaffung der Demokratie«Der Soziologe Edgardo Lander über die Krise in Venezuela und die autoritäre Transformation seines Landes
Die Aussagen Rendóns decken sich zum Teil mit Video-Geständnissen der US-amerikanischen Söldner Luke Denman und Airan Berry, die die venezolanische Regierung veröffentlichte. Das Ziel bestand demnach darin, die Zentralen der Geheimdienste, den Präsidentenpalast und den Flughafen einzunehmen und Maduro in die USA zu bringen. Geständnisse, bei denen Feinde als Propaganda-Trophäe präsentiert werden, sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten und könnten unter Zwang entstanden sein.
Die Regierungen Kolumbiens sowie der USA wiesen die Verantwortung für die gescheiterte Einschleusung der Söldner zurück. US-Präsident Donald Trump beteuerte, keinerlei Kenntnis davon gehabt zu haben. Sein Außenminister Mike Pompeo sprach etwas ungenauer von »keiner direkten Beteiligung« der US-Regierung. Unstrittig ist allerdings, dass sich die Ziele der Söldneroperation mit jenen der US-Regierung decken und diese offen Anreize für derartige Aktionen gibt. Ende März hatten die USA inmitten der Coronakrise ein Kopfgeld von 15 Millione US-Dollar auf Nicolás Maduro sowie jeweils zehn Millionen auf weitere Regierungsfunktionäre ausgesetzt - wegen vermeintlichen Drogenhandels. Außerdem bauen die USA seit Anfang April eine militärische Drohkulisse auf, indem sie unter dem Deckmantel der Drogenbekämpfung zusätzliche Kriegsschiffe und Überwachungsflugzeuge vor Venezuelas Küste schickten. Das hohe Kopfgeld könnte durchaus erklären, warum Jordan Goudreau trotz ausgebliebener Bezahlung die Operation Gideon weiter vorangetrieben hat.
Eine längere Analyse des Autors wird online auf dem »Debattenblog« der Interventionistischen Linke erscheinen: https://blog.interventionistische- linke.org/
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.