- Kommentare
- Corona
Die Krise trifft die Schwächsten
MEINE SICHT zweifelt an der »Krise als Chance«
Im Sozialausschuss am Donnerstag zeigten sich wieder einmal die Leerstellen der sozialpolitischen Krisenbewältigung: Die integrationspolitische Sprecherin der Grünenfraktion, Bettina Jarasch, berichtete von mehreren jungen Menschen, denen Unternehmen angesichts der Krise ihren Ausbildungsvertrag gekündigt haben. Das ist an sich schon schrecklich, denn natürlich ist es besonders die junge Generation, denen die sozialen Verwerfungen, die aufgrund von Massenarbeitslosigkeit drohen, besonders zusetzen werden.
Die Jugendlichen aber, von denen Jarasch sprach, sind solche mit einer sogenannten Ausbildungsduldung. Das heißt, sie verlieren mit ihrer Ausbildung auch das Recht auf ihren Aufenthalt in der Bundesrepublik. Dass ihnen als erstes gekündigt wird, weil ihre Perspektive die schlechteste ist, zeigt, was eine Krise, in der die staatlichen oder wirtschaftlichen Auffangmechanismen fehlen, in Gang setzen kann: Man entledigt sich der Schwächsten, die sich zudem am wenigsten dagegen wehren können.
Immer wieder ist in den letzten Monaten von der »Krise als Chance« die Rede. Auch Linke bemühen dieses Mantra, doch das erfüllt sich nicht von selbst. Arbeits- und Beschäftigtenschutz müssen jetzt verteidigt und Forderungen nach Lohngerechtigkeit und sozialer Absicherung nach vorne gebracht werden. Denn die prekäre Arbeitswelt, wie sie uns der neoliberale Kapitalismus mit seinen Ausbeutungsverhältnissen präsentiert, ist nicht die einzige Alternative.
Stattdessen wird, um Unternehmen zu retten, am Mindestlohn gerüttelt, Kündigungen im großen Umfang bleiben folgenlos, während Firmeneigner warten können, dass die Krise an ihnen vorbeizieht. Der Trend muss sich wenden, denn Unterstützung brauchen andere.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.