Mehr als Solidarität
Ulrike Wagener über die globale Verantwortung für Fluchtursachen
Einen »leidenschaftlichen Einsatz für ein solidarisches Europa«, das hat Angela Merkel am Donnerstag in ihrer Regierungserklärung zur kommenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft versprochen. Solidarität klingt gut und notwendig in einer Welt, in der derzeit 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht sind - fast so viele Menschen wie in Deutschland leben. Doch eigentlich bräuchte es keine Solidarität, keinen Akt der Menschlichkeit, um Menschen, die vor Kriegen und Armut fliehen, einen sicheren Ort zum Leben zu bieten. Es würde ausreichen, sich an die eigenen Gesetze zu halten. Doch das Asylrecht wurde in der EU seit Jahren ausgehöhlt.
Die Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen, sind vielfältig: Kriege, Konflikte, Armut, Hunger. Und die Fluchtbewegungen werden sich mit der Erhitzung des Planeten in den nächsten Jahren noch verstärken. Solidarisch mit den Betroffenen sind dabei aktuell in erster Linie Länder des globalen Südens; Pakistan und Uganda haben im vergangenen Jahr jeweils rund 1,4 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.
Die Flüchtlinge brauchen unsere Solidarität. Aber es braucht auch Verständnis dafür, dass die Verantwortung für die Fluchtursachen eine globale ist. Und die Suche nach Lösungen kein wohltätiger Akt, sondern eine moralische und rechtliche Verpflichtung.
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