Sonderermittler wäre Fortschritt

Martin Kröger über die Aufklärung der rechtsextremen Serie in Berlin-Neukölln

  • Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.

Dass es neue Ermittlungsansätze braucht, um der rechtsextremen Terrorserie in Neukölln endlich ein Ende zu machen, steht seit Längerem fest. Die von den Attacken Betroffenen und die Linkspartei plädieren deshalb seit über einem Jahr für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus ein. Doch eine rot-rot-grüne Mehrheit für ein solches Gremium, das rückblickend das Behördenagieren in diesem Komplex untersucht und die seltsam anmutenden Fehler und Verstrickungen der Ämter aufklärt, ist nicht zu erwarten. Die SPD hat nämlich gar kein Interesse daran, dass in diesem Zusammenhang auch die Arbeit ihres eigenen Innensenators Andreas Geisel problematisiert werden könnte.

Realistischerweise muss man auch sagen, dass ein solcher Untersuchungsausschuss in der laufenden Legislatur kaum genug Zeit haben würde, um seine Aufgabe zu erfüllen. Schließlich sind im kommenden Jahr Wahlen - in naher Zukunft wird der bevorstehende Kampf um die Stimmen noch deutlicher zu spüren sein. Die regierenden Parteien tendieren dann dazu, sich noch stärker voneinander abzugrenzen.

Angesichts der anhaltenden Bedrohungslage - Stichwort »NSU 2.0« - und 137 rechtsextremer Vorfälle seit Herbst vergangenen Jahres steht nun die Einsetzung eines Sonderermittlers zur Debatte. Die Grünen forderten solche unabhängigen Ermittlungen bereits vor geraumer Zeit. Tatsächlich hat Berlin seinerzeit mit dem ehemaligen Bundesanwalt Bruno Jost als Sonderermittler zum islamistischen Breitscheidplatz-Attentat positive Erfahrungen gesammelt - Jost legte schonungslose strukturelle Mängel bei Polizei und Staatsanwaltschaft offen.

Im Neukölln-Komplex agiert statt eines unabhängigen Ermittlers dagegen die polizeiliche Aufbauorganisation »Fokus«, deren Zwischenbericht noch im Sommer vorliegen soll. Davon, dass Polizisten strukturelle Probleme aufdecken würden, ist indes kaum auszugehen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, heißt es. Das gilt auch hier. Unabhängige Ermittlungen wären wenigstens ein kleiner Fortschritt.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.