Kairo gegen Ankara in Libyen
Philip Malzahn über eine mögliche Intervention Ägyptens
Sollte der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi von der Erlaubnis des libyschen Parlaments in Tobruk Gebrauch machen und in Ostlibyen einmarschieren, wird sich vieles verändern. Der Libyen-Krieg wird brutaler und länger. Gleichzeitig wird er aber auch ausgeglichener, denn das Land ist nun mal gespalten. Und während die türkische Hilfe für die vielen Milizen der Einheitsregierung in Tripolis (GNA) kurz als Zünglein auf der Waage galt, könnte eine Intervention Kairos vielen Menschen im Osten den erhofften Schutz vor einer Eroberung durch den verhassten Westen bieten.
In ein noch größeres Dilemma würde die EU geraten, denn sowohl die Türkei als auch Ägypten gelten als wichtige Partner. Das Dilemma ist natürlich kein moralisches - in Sachen Menschenrechtsverletzungen nehmen sich beide nicht viel. Der Unterschied ist eher diplomatischer Natur. Während Sisi für die alte Garde arabischer Nationalisten steht, die im Austausch für Terrorbekämpfung und Frieden mit Israel im eigenen Land freie Hand hat, steht Erdogan für einen türkischen Ethno-Nationalismus, für den man bereitwillig Terroristen in Syrien und Libyen finanziert und bewaffnet. In Brüssel wird man sich entscheiden müssen, mit welcher Art von autoritärer Regierung man in Zukunft Geschäfte machen möchte.
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