Trotz Corona im Schnitt kein höherer Krankenstand
Betriebskrankenkassen fordern in ihrem Gesundheitsreport 2020 eine Vertrauenskultur für die Arbeit im Homeoffice
Pendler leben gesünder: Zumindest Zahlen des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) belegen dies. Die mobilen Beschäftigten weisen durchschnittlich weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten auf, sind seltener in ambulanter und stationärer Behandlung und erhalten weniger Arzneimittel. Das erbrachte der neue Gesundheitsreport der Kassengruppe, der dem Thema Mobilität, Arbeit und Gesundheit gewidmet ist. Er wurde am Donnerstag in Berlin vorgestellt.
Die bessere Gesundheit der Pendler lässt sich eher nicht durch den täglichen Arbeitsweg erklären, der bei den 3000 von der BKK Befragten im Durchschnitt 17 Kilometer pro Richtung beträgt, sondern damit, zu welchen Berufsgruppen die Pendler gehören. In den Reihen der über vier Millionen beschäftigten BKK-Mitglieder zählt fast jeder Zweite (44 Prozent) zu der Gruppe, am häufigsten sind hier männliche und gutverdienende Beschäftigte mit hohen Schul- und Berufsabschlüssen, die oft in Führungspositionen arbeiten. Besonders gut vertreten sind IT- und naturwissenschaftliche Berufe.
Laut der genannten Umfrage vom Juni üben 54 Prozent der Beschäftigten ihre Arbeit zumindest von Zeit zu Zeit von zu Hause aus. Häufigstes Hindernis seien Tätigkeiten, die nur direkt am Arbeitsplatz ausgeführt werden könnten. Ein Drittel der Befragten gab jedoch an, dass ihre Vorgesetzten dem Homeoffice ablehnend gegenüberstünden. Diese Einstellung dürfte sich in den letzten Monaten geändert haben. Denn fast die Hälfte der Befragten erklärte, seit Beginn der Pandemie deutlich häufiger als vorher im Homeoffice tätig zu sein. Das klassische Pendeln ging um 35 Prozent zurück.
Der BKK-Report befasst sich ausführlich mit den Herausforderungen durch häufigere Arbeit im Homeoffice. Voraussetzung sei eine Vertrauenskultur in den Unternehmen, wie Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbandes erklärte. Die Vorteile für die Beschäftigten sind laut Report etwa störungsfreies Arbeiten, Zeit- und Kostenersparnis durch den wegfallenden Arbeitsweg und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bei letzterem Thema kann es aber durchaus problematisch werden, wenn die Trennung nicht gelingt oder nicht möglich ist.
Zumindest Krankschreibungen und Krankentage haben sich im Vergleich zu früheren Jahren kaum verändert, jedenfalls nach BKK-Daten. Allerdings gab es im Jahresverlauf stärkere Ausschläge als üblich. Während im März mit 6,7 Prozent der höchste Krankenstand innerhalb der letzten Dekade zu verzeichnen ist, wurde anschließend im Mai mit 3,7 Prozent ein historischer Tiefstwert erreicht. Knieps erklärt das mit den relativ hohen Temperaturen, die zu einem Rückgang bei den Viruserkrankungen, darunter Covid-19, geführt haben könnten, sowie mit der Wirkung der Hygienemaßnahmen. Ein weiterer Faktor könnte darin bestehen, dass Menschen im Homeoffice sich nicht so schnell wie sonst krankschreiben ließen.
Im Durchschnitt bewegt sich der Jahreswert für 2020 bisher auf dem Niveau der Vorjahre. Ein Anstieg durch die Corona-Pandemie ist nicht zu erkennen. Der Anteil der Covid-19-bezogenen Krankschreibungen hatte nach den BKK-Zahlen seinen Höhepunkt mit einem Prozent im Oktober, der auch der letzte der aktuell ausgewerteten Monate ist.
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