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Ultrarechter Polizei-Informant
Chef der militanten »Proud Boys« arbeitete undercover für FBI und Co
»Ich weiß von alldem nichts«, behauptet Henry »Enrique« Tarrio, seit 2018 Anführer der ultrarechten Proud Boys (Stolze Jungs), die in Kanada bald als terroristische Vereinigung gelten könnten. Mit »alldem« meint er ein Transkript, aus dem hervorgeht, dass der 36-Jährige zwischen 2012 und 2014 als verdeckter Informant für das FBI und lokale Sicherheitsbehörden gearbeitet habe. 2013 wurde Tarrio wegen Betrugs zu 30 Monaten Haft verurteilt, von denen er aber nur 16 absaß. Sein damaliger Anwalt bezeichnete ihn als »produktiven Mitwirkenden«, der die Regierung bei der Strafverfolgung in mehr als zwölf Fällen unterstützt habe, wo es um Drogen, Glücksspiel und Menschenhandel ging.
Der Stabschef der »Latinos für Trump« in Florida trat 2020 zur Wahl für das Repräsentantenhaus an, zog seine Kandidatur aber noch im August zurück. Zwei Tage vor dem »Sturm auf das Kapitol« Anfang Januar wurde der in Miami Geborene in Washington verhaftet. Er hatte auf einer Demonstration für den abgewählten Präsidenten eine »Black-Lives-Matter«-Flagge verbrannt und verbotenerweise zwei Schusswaffenmagazine mitgeführt. Am Kapitol war er selbst dann auch nicht anzutreffen; anders seine ultrarechten Mitstreiter, die von Trump dazu aufgerufen worden waren, »zurückzutreten und sich bereitzuhalten«.
Der Sohn kubanischer Einwanderer ist seit 2017 Teil der schwarz-gelb gekleideten Maskulinisten, die regelmäßig das Zeichen für »weiße Macht« zeigen und als Initiationsritus Antifaschist*innen schlagen. Laut einer Forscherin betrieben sie »Informationswäsche«. Er selbst behauptet, aufgrund seiner Biografie kein Verfechter weißer Vorherrschaft sein zu können.
Tarrio besitzt Firmen für Sicherheitsausrüstung, GPS-Überwachung und T-Shirts. Letztere druckte Trump-Fan-Bekleidung: »Proud boys standing by« (Die Stolzen Jungs stehen bereit).
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