- Kommentare
- Impfgipfel
Hätte man sich sparen können
Markus Drescher über die Folgen eines ergebnislosen Gipfels
Das ging ja mal nach hinten los! Sollte der »Impfgipfel« der Bevölkerung irgendwie signalisieren, dass nun das Impfchaos mit Nachdruck angegangen wird, dass man alles tut, mehr Impfstoff heranzuschaffen, dass man das Heft des Handelns nicht aus der Hand gegeben hat - all dies hat nicht funktioniert.
Im Gegenteil. Der magere Beschluss, nun einen »nationalen Impfplan« aufstellen zu wollen, wirft in erster Linie die Frage auf: »Jetzt erst?« Die offensichtliche Hilflosigkeit beim Unterfangen dafür zu sorgen, dass kurzfristig mehr Impfstoff bereitgestellt wird, unterstreicht noch einmal den Eindruck, dass wohl schon bei der Vorbereitung der Impfkampagne zu viel schief ging. Diese im Endeffekt für die Bevölkerung praktisch nutzlose Veranstaltung hätte man sich in jedem Fall sparen können.
Zumal: Dass immer öfter an die Stelle konkreter Maßnahmen und Planungen der bloße Appell an das Durchhaltevermögen der Bevölkerung, die Bitte um Geduld und Besserungsbeteuerungen treten, strapaziert mittlerweile wohl den Langmut der Bürger und Bürgerinnen im gleichen Maße wie es die Einschränkungen im Lockdown selbst tun.
Je länger die Pandemie dauert, desto offensichtlicher werden die Versäumnisse der Vergangenheit, die sich langsam aber sicher zu einem ansehnlichen Berg angehäuft haben, der zunehmend den Weg heraus aus der Pandemie zu versperren droht. Und in dessen Angesicht man der Verzweiflung näher ist, als der Hoffnung auf ein absehbares Ende der Pandemie und ihren Zumutungen. Im Prinzip müsste man nun hoffen, dass die Verantwortlichen dieses Mal etwas dazugelernt haben, dass dieses »Impfgipfel«-Debakel der entscheidende Weckruf war. Allein die Erfahrungen lassen daran mehr als zweifeln.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.