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- Hertha BSC und FC Union
Stadtderby ohne Sieger
Der 1. FC Union Berlin kann mit der Punkteteilung besser leben als Hertha BSC
»Zu wenig«, schrie Sami Khedira nach einer Stunde Spielzeit auf den Platz. Der als Führungsspieler im Winter von Hertha BSC nach Berlin geholte Mittelfeldstratege wollte diese Rolle auch als Reservist ausfüllen, als er sich am Spielfeldrand aufwärmte. Der verzweifelte Ruf des Weltmeisters in der Alten Försterei half aber ebenso wenig wie dessen Einwechslung in der 79. Minute: Es blieb beim 1:1 im Stadtderby gegen den 1. FC Union. Robert Andrich hatte die Gastgeber mit einem sehenswerten Linksschuss nach zehn Minuten in Führung gebracht, Dodi Lukébakio 25 Minuten später per Foulelfmeter ausgeglichen.
Dass die Mannschaft von Hertha BSC zwar teuer, aber planlos zusammengekauft wurde, hatte Trainer Pal Dardai schon bei seiner Rückkehr Ende Januar kritisiert. Dass dieses Team Führung braucht, wusste der Ungar auch schon vor dem Spiel gegen Union. Danach war er nicht schlauer, sondern sauer. »Jetzt müssen wir reden. Ich habe meine Mannschaft nicht erkannt. Wir waren wie gelähmt«, sagte Dardai.
Sie haben viel zu besprechen in Charlottenburg. Das Wichtigste: Es fehlt der Wille. Den Zweikämpfen konnten Dardais Spieler meist nicht aus dem Weg gehen. Aber wenn eine Mannschaft sechs Kilometer weniger läuft als der Gegner, hat sie den Abstiegskampf nicht verstanden. Und das macht es gegen Gegner wie Mainz, Bielefeld oder Köln, die ebenso im Tabellenkeller stehen, nicht einfacher. Die fehlende Leidenschaft lässt sich auch im Spiel nach vorn beziffern: Die prominent besetzte Offensive brachte nur einen einzigen Schuss aufs Tor von Union, eben den Elfmeter. Abgesehen von einigen Minuten in der ersten Halbzeit war keine blau-weiße Absicht zu erkennen, gewinnen zu wollen. Irgendwann muss Hertha BSC damit anfangen: Nach bislang 14 Spielen in diesem Jahr ist der Klub das zweitschlechteste Team der Liga und auf Platz 14 nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt.
Wirklich zufrieden war aber auch der Gegner nicht. »Wir verschulden das 1:1 selber, und das hat Spuren bei uns hinterlassen«, analysierte Unions Trainer Urs Fischer nach dem Abpfiff. Die Mannschaft des 1. FC Union verlor ihren Rhythmus nach dem Gegentreffer aber nur für kurze Zeit, mit dem Wiederanpfiff spielte sie so dominant und sicher wie in der ersten halben Stunde. Gleichwohl sieht der Schweizer im Ärger über einen verschenkten Sieg auch Positives: »Wenn wir uns über einen Punkt nicht freuen, dann sind wir auf einem sehr guten Weg.« Wohin dieser Weg in dieser Saison noch führen kann, darüber wollen sie in Köpenick nicht laut nachdenken. Das Ziel - den Klassenerhalt - hat der 1. FC Union mit nun 39 Punkten vorzeitig erreicht.
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