Elite-Managerin

Die Politikwissenschaftlerin und Uni-Präsidentin Amy Gutman soll US-Botschafterin in Deutschland werden

  • Lesedauer: 2 Min.

Die nächste US-Botschafterin in Deutschland wird ganz anders als ihr Vorgänger. Amy Gutmann soll den Posten übernehmen, auf dem ihr Vorgänger Richard Grenell vor allem mit Pöbeleien auffiel. Die 71-Jährige ist seit 2004 Präsidentin der University of Pennsylvania, eine der Elite-Universitäten im Land. Die Politikwissenschaftlerin, die an der London School of Economics und in Harvard studiert hat - als erste in ihrer Familie. Anschließend lehrte sie in an der Eliteuniversität Princeton und leitete die Kommission für bioethische Fragen der Obama-Regierung, hat aber sonst wenig Erfahrung in der Politik. Als Managerin ist sie dafür umso renommierter, leitete die »U Penn« länger als jeder andere Präsident in der Geschichte der Universität. Sie war besonders erfolgreich darin, Mittel aus der Wirtschaft einzuwerben. Das Wirtschaftsmagazin »Fortune« setzte sie auf die Liste der 50 globalen Führungspersonen. Mit 25 000 Studierenden ist die »U Penn« der größte private Arbeitgeber im Staat.

Kollegen beschreiben Gutmann als »akademischen Giganten«, sie hat hauptsächlich zu politischer Philosophie und Demokratietheorie publiziert, etwa zu Aushandlungsprozessen und Gruppenidentitäten. In einem Ranking des Journals »Political Science and Politcs« der Universität Cambridge ist sie die am zweithäufigsten zitierte Wissenschaftlerin im Feld Politische Theorie. Politisch ist Gutmann bisher wenig in Erscheinung getreten. 2014 kritisierten Mitglieder der Campus-Polizei ihrer Universität Gutmann von rechts, weil sie sich an einer antirassistischen Black-Lives-Matter- Aktion von Studierenden beteiligt hatte. Die wiederum kritisierten Gutmann 2020, da sie anders als viele andere Uni-Präsident*innen ihr Gehalt - mit 3,6 Millionen Dollar pro Jahr schon das höchste an privaten Elite-Unis- nicht reduzierte, aber gleichzeitig akademische Programme wegen Geldmangels in der Coronakrise kürzen ließ.

Gutmann ist Tochter eines Holocaust-Überlebenden, ihre einzige Verbindung zu Deutschland. Ihr Vater überredete seine Familie als Student in Nürnberg 1934, aus dem Land zu fliehen. Nach einer Station in Indien landete die Familie in New York. Eine enge Verbindung hat Gutman zu dem in Pennsylvania aufgewachsenen Joe Biden. Seit 2017 war er mehrfach auf dem Campus der Elite-Uni zu Gast. Moritz Wichmann

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.