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Wärmewende geht nur sozial
Robert D. Meyer über das Gesetz zur Modernisierung von Heizungen
An dieser Stelle sei mit einem Vorurteil aufgeräumt: Eigenheimbesitzer*innen sind mitnichten per se wohlhabend. Ein Haus in oder am Rande einer Großstadt hat auf dem Papier einen anderen finanziellen Wert als Millionen Häuschen in ländlichen Regionen, was wohlgemerkt für Ost- und Westdeutschland gilt. Ein von Oma geerbtes Häuschen aus den 60er Jahren in Großdubrau ist nicht vergleichbar mit einer Villa am Berliner Wannsee. Sie alle aber müssen bei der Wärmewende energetisch auf dem Stand der Technik sein, wenn die Klimaziele im Gebäudesektor erreicht werden sollen. Eine Aufgabe für Jahrzehnte, bei der politisch zu lange zu wenig geschah.
Dass die Ampel nun loslegt, dass beim Neueinbau von Heizungen diese bald größtenteils mit Erneuerbaren Energien laufen müssen, ist Fortschritt und Herausforderung zugleich. Wer hier keinen millionenfachen Frust erzeugen, gar eine Steilvorlage für rechte Kampagnen gegen die Wärmewende liefern will, muss die soziale Komponente von Anfang an im Blick haben. Wärmepumpen sind in der Anschaffung deutlich teurer als Gas- oder Ölheizungen, hinzu kommen bei älteren Häusern energetische Sanierungsmaßnahmen, wenn die Stromrechnung nicht explodieren soll. Da geht es schnell um Zehntausende Euro an Kosten. Künftige staatliche Förderung muss sich stark an den finanziellen Möglichkeiten betroffener Haushalte orientieren.
Apropos Stromrechnung: Einen Push für die Wärmewende würde es bedeuten, wäre der für Wärmepumpen benötigte Strom deutlich günstiger als ansonsten im Haushalt verbrauchte Energie. Profitieren würden Haushalte, die ihre Heizung umrüsten, aber weitere Sanierungen – allen voran an der Hausdämmung – nur etappenweise schultern können.
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