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Kein Saisonphänomen
Vor Weihnachten versank Deutschland im Schneechaos. Die Bahn, überrascht vom plötzlichen Winter, fuhr nicht mehr, die Berliner S-Bahn setzt im neuen Jahr ihre Notfallserie fort. Spätestens seit der Meldung, dass in diesem Winter bislang zehn Menschen in Deutschland erfroren, richtet sich der mediale Fokus wieder auf diejenigen, die der Kälte dauerhaft ausgesetzt sind. Vereine sammeln, die Heilsarmee zieht mit ihrer Suppenküche von Ort zu Ort. Allein in der Hauptstadt soll es bis zu 10 000 Obdachlose geben, bundesweit leben Schätzungen zufolge zirka 230 000 Menschen auf der Straße. Doch die öffentlich beworbenen Hilfsangebote und Spendenaufrufe zielen allein wieder nur auf die Problembehandlung, nicht auf die Ursache. Stimmen, die die Politik zum Handeln auffordern, bleiben ungehört. Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer beispielsweise beteiligt sich zwar am Schlafsacksammelaufruf – doch anderswo fallen Nachtasyle aus der Landesfinanzierung. So können ehrenamtlich geführte Notunterkünfte nur einmal in der Woche ihren Schlafraum öffnen.
Das Engagement der Öffentlichkeit wird wohl mit dem Schnee schmelzen. Obdachlose Menschen sind jedoch kein saisonales Phänomen und im Sommer nutzen antarktistaugliche Schlafsäcke nicht viel.
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