Sozial unausgewogen

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 1 Min.

Annette Schavan bleibt ihrer Linie treu: »Begabte und leistungsorientierte Studenten« können bald mit einer kleinen monatlichen Förderung durch Papa Staat rechnen – jedenfalls dann, wenn sich die CDU-Bildungsministerin mit ihrem Plan für ein nationales Stipendienprogramm für talentierte Nachwuchsakademiker durchsetzt. 300 Euro sollen die Geförderten pro Monat erhalten. Die Vergabe soll laut Ministerium unabhängig von der finanziellen Situation des Elternhauses erfolgen.

Das erfüllt vordergründig das Kriterium der sozialen Ausgewogenheit. In Wahrheit aber ist es nur ein Stipendienprogramm für das übliche Publikum an den Universitäten – die Kinder der oberen Dienstklasse. Aufgrund der sozialen Zusammensetzung der Studierendenschaft kann man davon ausgehen, dass die besten acht bis zehn Prozent, die mit der Eliteförderung unterstützt werden sollen, aus Familien stammen, die das Geld eigentlich nicht nötig haben. Rund 83 Prozent der Kinder aus Akademikerfamilien oder des höheren Beamtentums nehmen ein Studium auf, aber nicht einmal ein Viertel des Nachwuchses aus Arbeiterfamilien oder des Kleinbürgertums. Die 150 Millionen Euro, die der Bund für das Stipendienprogramm pro Jahr ausgeben will, wären vernünftiger in einer deutlichen Erhöhung des Bafögs angelegt.

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